Katastrophe in Italien
Neues Beben, altes Trauma

Bei einem starken Erdbeben in Mittelitalien sind mindestens 247 Menschen ums Leben gekommen. Während die Rettungsmannschaften nach Verschütteten suchen, werden Erinnerungen an vergangene Katastrophen wach.

RomUm 3.36 Uhr ist die Uhr auf dem Kirchturm von Amatrice stehengeblieben. Da kam das erste Beben. Ein Stoß mit einer Stärke von 6 auf der Richterskala. Auch in der Hauptstadt Rom, 150 Kilometer vom Epizentrum an der Grenze des Latiums, Umbriens und den Marken entfernt, wachen die Menschen mitten in der Nacht auf. Der erste Stoß ist deutlich zu spüren, das Bett schaukelt, die Erde bewegt sich. Genau 45 Minuten später das zweite Beben. Die mehr als 30 schwächeren Nachbeben spüren nur die Menschen im Krisengebiet.

Das Foto eines Kirchturms mit Uhr inmitten von Trümmern war eines der Bilder aus L'Aquila, die im Gedächtnis der Italiener geblieben sind. Dort zerstörte ein Erdbeben im April 2009 die Stadt – und merkwürdigerweise bis auf zwei Minuten Unterschied zur gleichen Uhrzeit.

Die Bilanz damals: 309 Tote, mehr als 1.600 Verletzte und ein geschätzter Schaden von mehr als zehn Milliarden Euro. „Bei L'Aquila ging es um eine Landeshauptstadt, hier ist die Bevölkerung mehr verteilt im Landstrich“, sagt Fabrizio Curcio, der Chef des nationalen Zivilschutzes. Deswegen hoffe er diesmal auf weniger Opfer.

Curcio war einer der ersten, die am Morgen in das Erdbebengebiet aufbrachen. Ihm folgte Verkehrsminister Graziano Delrio. Und auch Premier Matteo Renzi sagte eine Reise zum Treffen der sozialdemokratischen Regierungschefs in Paris ab und fuhr am Nachmittag in das Krisengebiet. „Priorität hat die Suche nach Überlebenden“, hatte er am Vormittag in einer offiziellen Erklärung gesagt. „Wir lassen niemanden allein“, so Renzi weiter, der den vielen Freiwilligen für ihren Einsatz dankte.

Papst Franziskus unterbrach seine Generalaudienz und gedachte der Opfer. Aus ganz Europa trafen Beileidsbekundungen und Hilfsangebote ein. Beim Zentrum für die Koordination von Notfallmaßnahmen in Brüssel habe Italien die Nutzung des EU-Satellitenbilder-Dienstes EMS angefragt, heißt es von der EU. Vor Ort müssen Verletzte versorgt und Zelte und Feldküchen für die rund 1000 Obdachlosen gebaut werden.

Die offizielle Bilanz am Mittwochabend noch 159 Tote, Hunderte von Verletzten und rund 2500 Menschen ohne Dach über dem Kopf. Am Donnerstagmorgen korrigiert der Zivilschutz die Zahl der Todesopfer auf 247. Mit Hochdruck wird noch immer nach verschütteten Überlebenden gesucht, während es weitere leichte Nachbeben gibt.

Ein Erdbeben der Stärke 6,1 verwüstet mehrere Orte in Italien
( mit der Maus über die Grafik fahren)
Quelle: dpa

Das Epizentrum des Erdbebens lag bei der 600-Einwohnerstadt Accumoli in der Provinz Rieti. „Der Ort existiert nicht mehr“, sagte Bürgermeister Stefano Petrucci im Fernsehen. Große Schäden gab es auch in Amatrice und Pescara del Tronto. Die Häuser seien wie Kartenhäuser zusammengestürzt, sagte ein alter Mann im Fernsehen.

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