Katastrophen-Reaktor Fukushima
Tepco schlampt erneut bei Messwerten

Das Drama um das japanische Kernkraftwerk in Fukushima wird immer skurriler. Der Betreiber Tepco leistet sich eine Schlamperei bei Strahlen-Messwerten. Außerdem wurde das Rating des Konzerns gesenkt.
  • 0

Tokio Bei der Strahlen-Messung im Atomkraftwerk Fukushima hat der Betreiber Tepco erneut geschlampt. Die Messwerte vom Grundwasser in und um das Atomkraftwerk seien teilweise fehlerhaft, teilte die japanische Atomaufsichtsbehörde am Freitag mit. Das Grundwasser sei jedoch sehr wahrscheinlich dennoch verstrahlt. Am Vortag hatte es geheißen, dass im Wasser unter dem Atomwrack ein 10.000-fach erhöhter Wert von radioaktivem Jod gemessen wurde. Wie hoch die Belastung wirklich ist, wurde nicht bekannt. Tepco hatte bereits vorher fehlerhaft gemessen.

Seit dem Erdbeben und Atomunfall vor drei Wochen steht der Konzern wegen seiner Informationspolitik in der Kritik. Regierungssprecher Yukio Edano schloss am Freitag nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo eine Beteiligung des Staates an Tepco nicht aus.

Derweil hat die Ratingagentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit des Betreibers des havarierten Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi in Japan zum zweiten Mal in Folge heruntergestuft. Moody's senkte die Bonitätsnote von Tepco um drei Stufen von A1 auf Baa1 und schloss eine weitere Abwertung nicht aus.

Als Grund für die erneute Herabstufung nannte die Ratingagentur mögliche Schadensersatzforderungen an Tepco in Folge der Atomkrise. „Anhängig von der Schwere der Schäden und dem Umfang, in dem Tepco haftbar gemacht wird, könnte das Unternehmen stark belastet werden“, teilte Moody's mit.

Nach einer Schätzung der Bank Merrill Lynch könnten Schadenersatzforderungen von bis zu 120 Milliarden Dollar gegen Tepco geltend gemacht werden. Seit dem Erdbeben am 11. März und der seitdem eskalierenden Atomkrise im Meiler Fukushima ist die Tepco-Aktie um 80 Prozent eingebrochen.

An der Ruine Fukushima Eins kämpfen die Arbeiter weiter gegen den Super-GAU. Am Freitag sollten sie erneut versuchen, Harz auf die verstrahlten Trümmer zu sprühen. Das Vorhaben musste am Vortag unterbrochen werden, weil es regnete. Der Kunstharz soll verhindern, dass sich der radioaktive Staub verbreitet.

Seite 1:

Tepco schlampt erneut bei Messwerten

Seite 2:

Kommentare zu " Katastrophen-Reaktor Fukushima: Tepco schlampt erneut bei Messwerten"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%