Katastrophen
Wettlauf der Hilfsbereitschaft

Tsunami, Wirbelstürme, Erdbeben: Wie nie zuvor stehen die Helfer im internationalen Rampenlicht. Deutschland hält gleich mehrere Spezialtruppen vor, die weltweit im Einsatz sind.

HB DÜSSELDORF. "Mit Abenteuerlust hat das nichts zu tun. Die legt sich spätestens, wenn man die ersten Toten und Verletzten sieht." Für Peter Görgen war der Einsatz mit dem Technischen Hilfswerk (THW) im Erdbebengebiet von Pakistan schon der zweite in diesem Jahr nach dem Tsunami.

Als Liaison-Offizier kam er in Kaschmir schon wenige Stunden nach dem Beben in den völlig zerstörten Ortschaften an. Er musste Kontakte zu Behörden und anderen Hilfsorganisationen herstellen. Er musste einen Lagerplatz suchen und - Bauingenieur, der er ist - schon mal die Trümmerstruktur der betroffenen Ortschaften begutachten. Welches Haus muss abgerissen werden, welches nicht?

Görgen ist kein Adrenalin-Junkie sondern ein 57 Jahre alter Familienvater aus Koblenz. Er ist Beamter beim Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung. Aber wenn das Technische Hilfswerk ruft, sitzt er wenige Stunden später im Flugzeug. "Jeder THW-Helfer ist froh, wenn er rauskommt und das anwenden kann, was er gelernt hat."

Kriegsfolgen auf dem Balkan und im Sudan, Erdbeben in der Türkei und in Iran - bei den großen humanitären Katastrophen der vergangenen 15 Jahre war Peter Görgen stets zur Stelle. Dafür nahm er stellvertretend für seine Kameraden den diesjährigen "Bambi"-Preis in der Kategorie "Engagement" entgegen. Noch nie standen Deutschlands technische Helfer derart im Rampenlicht wie in diesem Jahr. 2005 wird nicht nur als ein Jahr großer Naturkatastrophen in die Geschichtsbücher eingehen. Auch die Hilfe hat Rekordausmaße angenommen. Allein die humanitären Hilfsleistungen des Auswärtigen Amtes stiegen von 73 auf 92 Millionen Euro. Knapp ein Fünftel dieser Summe ging allein in die Tsunami-Gebiete in Südasien. Die Flutwelle hatte die Küsten Weihnachten 2004 überrollt. Das Ausmaß des menschlichen Leidens und des materiellen Schadens wurde aber erst mit Beginn des neuen Jahres allmählich klar.

Die Jahrhundertkatastrophe bestimmte die weltweiten Nachrichten. Die frühen internationalen Hilfsanstrengungen waren der Auftakt zu einem Jahr der Katastrophenhelfer: Auf den Tsunami folgten die verheerenden Wirbelstürme "Katrina" und "Rita", die den ersten THW-Einsatz in den Vereinigten Staaten bedeuteten. Dann das Beben in Pakistan. Für das Technische Hilfswerk war 2005 der vorläufige Höhepunkt einer seit Jahren andauernden Entwicklung - einer Entwicklung hin zu Deutschlands internationalem Aushängeschild des Helfens.

Was viele nicht wissen: Das THW ist als Bundesanstalt organisiert. Lange bevor Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg wieder eine eigene Armee bekommen sollte, wurde das Hilfswerk 1950 vor allem als Zivilschutzorganisation gegründet - für Naturkatastrophen aber auch für einen möglicherweise drohenden Atomkrieg. Heute untersteht das THW mit seinen 77 000 Mitarbeitern, die überwältigende Mehrheit davon ehrenamtliche Helfer, zwar dem Innenministerium. Seine humanitären Einsätze im Ausland werden aber vom Auswärtigen Amt finanziert. Ähnlich wie die Bundeswehr, wenn auch ohne politische Kontroversen, hat sich das THW längst zu einem nützlichen Werkzeug der Darstellung internationaler Verantwortung Deutschlands entwickelt.

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