Katastrophenalarm
Hochwasserwelle rollt auf Brandenburg zu

Vor allem die vorhergesagte lange Dauer des Hochwassers bereitet den Behörden Kopfzerbrechen. Der anhaltende Wasserdruck stellt die Deiche auf eine Belastungsprobe.

HB PERLEBERG/MÜHLBERG. Die Hochwasserlage an der Elbe hat sich am Mittwoch auch flussabwärts in Brandenburg deutlich verschärft. In Mühlberg an der Grenze zu Sachsen sowie in der Prignitz im Norden wurde Katastrophenalarm ausgelöst. Die Scheitelwelle der Flut erreichte Mühlberg und ließ den Pegel gut fünfeinhalb Meter über Normal auf 8,50 Meter anschwellen. In Wittenberge in der Prignitz stand das Wasser mit 6,83 Meter nur noch einen halben Meter unter dem Rekordpegel der Jahrhundertflut von 2002.

Die Elbe verläuft bei Mühlberg im Süden des Landes direkt auf der brandenburgisch-sächsischen Grenze, weshalb die Lage dort derzeit schon kritisch ist. Danach fließt der Fluss zunächst mehr als 100 Kilometer durch Sachsen-Anhalt, bevor er im Norden bei Quitzöbel wieder auf Brandenburger Gebiet mündet. Deshalb wird die Scheitelwelle in der Prignitz erst am Donnerstag oder Freitag erwartet.

Besorgt zeigten sich die Behörden vor allem wegen der vorhergesagten langen Dauer des Hochwassers. Der anhaltende Druck belaste die aufgeweichten Deiche stärker als bei der schweren Flut vor vier Jahren, sagte Ulrich Runde vom Prignitzer Katastrophenstab in Perleberg. Auch angeschwemmtes Treibgut könne die Dämme beschädigen. In Wittenberge wurde eine Spundwand zum Schutz von Altstadt und Hafen installiert.

Auch in Mühlberg sehen die Verantwortlichen das lange Anhalten der Flut als größtes Problem. Das Wasser sei etwa anderthalb Meter unter der Deichkrone zunächst zum Stehen gekommen, erklärte Ines Filohn vom dortigen Katastrophenstab. Deichläufer hätten etwa 20 Sickerstellen in den Dämmen entdeckt, die vom Technischen Hilfswerk und der Feuerwehr mit Sandsäcken ausgebessert würden. In Mühlberg sind die etwa 4.700 Einwohner von der Elbflut bedroht. Zur Jahrhundert-Hochwasser vor vier Jahren war die Stadt nur mit großer Anstrengung gehalten worden, was damals als „das Wunder von Mühlberg“ bezeichnet wurde.

Während in Südbrandenburg bereits einzelne Häuser überflutet wurden, musste in der Prignitz im Norden zunächst nur eine Straße in Wittenberge gesperrt werden. Allerdings sei Grundwasser in einige Keller gedrückt worden, sagte die Sprecherin des Landkreises Prignitz, Christel Spenn. In der Region war nach der Flut von 2002 damit begonnen worden, die Deiche weiter ins Land hinein zu verlegen, um größere Überflutungsflächen zu schaffen. Dies ist allerdings noch nicht abgeschlossen.

Unterdessen hat das Elbe-Hochwasser auch Auswirkungen auf die Havel. Deren Wasser fließe nicht mehr in die Elbe ab und steige deshalb in Richtung Berlin an, sagte Jens-Uwe Schade vom Brandenburger Umweltministerium. Ob wie 2002 die Havelpolder gesprengt werden, soll erst am Freitag entschieden werden. Auswirkungen auf die Elbe seien wegen der langen Flutdauer von einem solchen Schritt aber nicht zu erwarten, sagte Schade. Vor vier Jahren waren die Polder geöffnet worden, danach war der Elbpegel in der Region um einen halben Meter gesunken. Steigende Wasserstände wurden auch an der Oder registriert. In mehreren Orten wurde die Alarmstufe 2 ausgelöst. Am Pegel Ratzdorf bei Eisenhüttenstadt rechnet das Brandenburger Landesumweltamt mit dem Erreichen der höchsten Alarmstufe 4 beim für das Wochenende erwarteten Durchzug der Scheitelwelle.

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