Katastrophenalarm in Deutschland
Angst vor einer neuen Jahrhundertflut

Das Hochwasser steigt immer weiter. Mehrere Städte rufen Katastrophenalarm aus. Kanzlerin Merkel hat bereits die Bundeswehr zu Hilfe gerufen. Die Staatsregierung in Bayern hat einen Krisenstab eingerichtet.
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Berlin/Prag/Warschau/MünchenNach tagelangem Dauerregen hat sich die Hochwasserlage im Süden und Osten Deutschlands am Sonntag dramatisch zugespitzt. Mehrere Städte und Landkreise in Bayern, Thüringen und Sachsen riefen Katastrophenalarm aus. Die Bundeswehr bereitete sich auf Hilfseinsätze vor. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sicherte den am stärksten betroffenen Ländern „volle Unterstützung“ zu. In Österreich wurde ein Mann von einer Schlammlawine begraben, in Tschechien starben zwei Menschen bei einem Hauseinsturz. Die Regierung in Prag rief am Abend den Notstand aus.

Die Maßnahme in Tschechien gelte in allen Regionen mit Ausnahme der Region Pardubice, sagte Ministerpräsident Petr Necas im Tschechischen Fernsehen. „Wir haben noch eine sehr kritische Nacht und einen kritischen Morgen vor uns“, warnte der Regierungschef. Die Mitte-Rechts-Regierung stellte umgerechnet 11 Millionen Euro sowie bis zu 1000 Soldaten zur Bekämpfung der Fluten zur Verfügung. An mehr als 50 Orten Tschechiens galt die höchste Warnstufe 3. Auch in Polen kam es vor allem in Südwesten des Landes zu Überschwemmungen.

Dramatische Szenen auch in Deutschland: Braune Wassermassen fluteten Straßen, Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden. Katastrophenalarm wurde unter anderem in Passau und Rosenheim ausgerufen. In Sachsen waren etwa Zwickau und Chemnitz betroffen. In Ostthüringen gab es Katastrophenalarm im Kreis Greiz.

Angesicht des dramatischen Hochwassers in Bayern hat die Staatsregierung einen Krisenstab eingerichtet. Das erste Treffen mit Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) an der Spitze sei für diesen Montag um 12.00 Uhr geplant, sagte Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) am Sonntagabend in München. Vor Beginn eines Krisentreffens in der Staatskanzlei hatte Seehofer am Sonntag gesagt: „Wir haben bereits Regionen in Bayern mit einem sogenannten Jahrhunderthochwasser. Möglicherweise werden wir eine Entwicklung bekommen, die zu einem Hochwasser führen könnte, das bisher noch nie dagewesen ist.“

Die Einsatzkräfte in Passau waren zusehends erschöpft und überfordert. Viele Häuser in der Dreiflüssestadt waren nur noch über Stege zu erreichen. Bis zum Abend sollte der Pegelstand der Donau - so die Befürchtung - auf mehr als elf Meter steigen. Das Jahrhunderthochwasser 2002 hatte einen Höchststand von 10,81 Metern. In Berchtesgaden brach die Schleuse eines Bergsees, die Wassermassen ergossen sich unkontrolliert ins wenig bevölkerte Tal.

Auch die Pegelstände der Mangfall in Rosenheim könnten einen neuen Rekord erreichen, befürchtete ein Sprecher der Stadt. Der Damm drohte zu brechen. In Rosenheim wurden erste Stadtteile evakuiert. An vielen Schulen in Bayern soll der Unterricht an diesem Montag ausfallen.

Die thüringische Kleinstadt Gößnitz mit ihren rund 3000 Einwohnern sollte komplett evakuiert werden. „Der Pegel der Pleiße steht momentan bei 4,14 Meter, normal ist ein Meter“, sagte die Sprecherin des Landratsamtes, Jana Fuchs, am Abend. Die Menschen werden ihr zufolge bei Verwandten oder in einem Notquartier untergebracht.

Land unter auch in Sachsen: In Chemnitz trat der gleichnamige Fluss über die Ufer. In Zwickau brachten Helfer Menschen eines Ortsteils in Sicherheit. Im Vogtland lief die Talsperre Pirk über. In Grimmas Altstadt standen Straßen unter Wasser. „Rund 2000 Menschen müssen in Sicherheit gebracht werden“, sagte eine Stadtsprecherin. Nach Angaben des Landkreises Leipzig könnten die Pegelstände des Hochwassers von 2002 überschritten werden. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) sagte seinen Türkei-Besuch ab. In weiten Teilen des Bundeslandes soll an diesem Montag die Schule ausfallen.

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  • Das ist die gerechte Strafe der Natur für das Zubetonieren und Versiegeln der Landschaft. In der BRD leben über 230 Menschen auf nur einen Quadratkilometer Land. Das bei dieser Überbevölkerung einige nasse Füße bekommen, ist nur konsequent und richtig. Man muss dringend dafür sorgen, dass die Leute weniger Kinder kriegen und dass die BRD die Grenzen zu macht. Nur so kann gewährleistet werden, dass die Natur den Raum bekommen den sie braucht, um z.B. bei langen Regenperioden dem Mensch nicht ins Gehege zu kommen. Wenn die Politik das nicht begreift, dann sollen die Menschen absaufen.

  • Der VERTEIDIGUNGSMINISTER hat doch gar keine Zeit sich mit Unwetterproblemen zu beschäftigen. Für den gilt es seinen Kopf aus seinem misslungenen Drohnenprojekt zu retten. Vor dem 5. Juni ist die Bundeswehrspitze nicht ansprechbar!

    Nun offenbart sich mal wieder die Schwäche an der Spitze der Bundeswehr, wenn ein Minister dem Druck nicht gewachsen ist. Ausfälle sind dann vorprogrammiert.

    Merkel wendet sich ja von ihm auch schon so langsam ab.

    Stattdessen muss man den vielen Freiwilligen in Feuerwehren und Technischen Diensten sowie Rettungskräften und der Polizei höchste Anerkennung für ihren Einsatz aussprechen!

    Von diesen Organisationen kann De Maiziere noch viel lernen!

  • Sowas kommt davon, wenn man überall in den wichtigen Diensten personal abbaut bis kaum noch einer da ist. Aber wir müssen ja sparen, damit genug Geld nach Süden kommt.

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