Katastrophenjahr 2005
Kinos setzen wieder auf Qualität

Mit 2005 haben die deutschen Kinos ein weiteres katastrophales Jahr hinter sich. Nach vorläufigen Einschätzungen gingen die Besucherzahlen für die Gesamtbranche um mehr als 20 Prozent zurück. Nun setzen die Ketten auf bessere Filme.

HB HAMBURG. Die offiziellen Zahlen liegen noch nicht vor, doch dürfte die Branche ungefähr 125 Mill. Kinokarten verkauft haben - gut 30 Mill. weniger als im Jahr zuvor und über 50 Mill. weniger als zum Beispiel im Rekordjahr 2001. Die tieferen Ursachen für die lang anhaltende Kinokrise sind seit Jahren die gleichen: Die allgemeine Konsumflaute, die technische Aufrüstung der heimischen Wohnzimmer mit Groß-Fernsehern, DVD-Playern und Kino-Dolby-Surround-Anlagen, die demographische Ausdünnung der kinofreundlichen jüngeren Jahrgänge und die Konkurrenz durch Internet und Videospiele.

"Das Hauptproblem im vergangenen Jahr waren aber zu wenig starke Filme", sagt der Sprecher der Hamburger Kino-Kette Cinemaxx, Arne Schmidt. Nur sieben Filme schafften auf dem deutschen Markt die Marke von drei Mill. Zuschauern und verdienten sich damit das Prädikat "Blockbuster". In normalen Jahren sind es zehn bis zwölf.

Das große Kino-Sterben wird zunächst ausbleiben, auch wenn es vereinzelt Bewegung in den lokalen Märkten gibt. "Schließungen sind für uns überhaupt kein Thema", sagt Jan Oesterlin vom Kinobetreiber Cinestar. Unter dem wirtschaftlichen Druck der sinkenden Einnahmen ist es vielen Kinos gelungen, Zugeständnisse ihrer Vermieter bei den lang laufenden Mietverträgen zu erreichen. Die Mietkosten sind der größte Kostenblock der Betreiber. Da ein Kinogebäude kaum für andere Zwecke genutzt werden kann, haben auch die Immobilienfirmen als Vermieter kein Interesse an Schließungen: Sie müssten die Standorte völlig neu entwickeln und etwas anderes bauen. "Die Betreiber und Vermieter von Kinos haben erkannt, dass sie eine Schicksalsgemeinschaft bilden", sagt Cinemaxx-Chef Hans-Joachim Flebbe.

"Die Kinos müssen sich an die veränderten Rahmenbedingungen anpassen und die Qualität des Erlebnisses in den Mittelpunkt stellen", fordert Oesterlin. Die größeren Multiplex-Kinos bieten inzwischen allerlei Specials und Sonderaktionen an: Vom Kindergeburtstag über eine "Lady's Night" mit ausgesuchten Frauenfilmen und einem Glas Sekt zur Begrüßung bis hin zu Autorenlesungen und der Übertragung von Rockkonzerten oder Fußballspielen. Dazu kommen verstärkte Vertriebsanstrengungen über das Internet und zusätzlicher Service und Komfort für die Besucher.

Der wichtigste Einfluss auf die Besucherzahlen geht aber immer noch von der Qualität der Filme aus. "Wir brauchen regelmäßig mehr Filme, die gezielt ein älteres Publikum über 30 ansprechen", sagt Oesterlin. Beispiele dafür seien "Die weiße Massai" oder "Alles auf Zucker". Auch Familienfilme sind für die Kinos oft gute Umsatzbringer.

In diesem Jahr kommen nach Einschätzung der Kino-Konzerne viele starke Filme in die Kinos, die für die Branche eine Trendwende bedeuten könnten. "Wir sehen 13 Filme als Blockbuster-Kandidaten", sagt Cinemaxx-Sprecher Schmidt. Dazu zählen die Literaturverfilmungen "Das Parfum" und "Da Vinci Code" (deutsch: "Sakrileg"), neue Comedy-Streifen von Otto und Bully Herbig, ein neuer Bond und Fortsetzungen bewährter Kassenknaller wie "Fluch der Karibik II". Kinder können sich auf den "Räuber Hotzenplotz", "Ice Age II" und die "Wilden Hühner" freuen. Die Kinopreise, die seit Jahren weitgehend stabil sind, sollen auch in diesem Jahr nicht nennenswert steigen.

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