Katholische Kirche
Der Druck auf den Papst wächst

Mit der anhaltenden Kritik an der Rehabilitierung eines Holocaust-Leugners durch den Vatikan wächst der Druck auf den Papst, die Entscheidung zurückzunehmen. Der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke schlug vor, die umstrittene Rehabilitierung von aus der Kirche ausgeschlossenen Traditionalisten auszusetzen. Benedikts Kritiker bemängeln außerdem die schlechte interne Kommunikation.

HB ROM/HAMBURG. Der Bischof des Bistums Osnabrück, Franz-Josef Bode, forderte eine Klärung über ein Kirchengericht. Auch aus der Kurie, dem Leitungs- und Verwaltungsapparat in Rom, kommt inzwischen Kritik an mangelnder Kommunikation innerhalb des Vatikans. Weihbischof Jaschke rief in der "Bild"-Zeitung dazu auf , das Verhältnis der katholischen Kirche zur erzkonservativen Pius-Bruderschaft zu überdenken: "Man könnte etwa den Prozess der Wiedereingliederung erst einmal stoppen. Die Menschen wollen klare Worte hören."

Jaschke kritisierte, die Entscheidung des Vatikans, den Holocaust-Leugner Richard Williamson aus der erzkonservativen Piusbruderschaft wieder in die Kirche aufzunehmen, sei ein Fehler im Namen des Papstes gewesen. Wahrscheinlich sei Benedikt XVI. "falsch beraten" worden, "da wurde schlampig gearbeitet". Nun tue Schadensbegrenzung not. Der Osnabrücker Bischof Bode sagte auf NDR Info, die Leugnung des Holocausts könne "auf keinen Fall in der Kirche geduldet werden". Der Papst müsse "möglichst klar und schnell eine Aussage dazu machen - er hat das einmal schon getan, dass er in keinsterweise den Holocaust leugnet und in keinsterweise es bejaht". Man müsse in einem kirchlichen Gericht klären, "ob ein solcher Mann mit solchen Äußerungen in der Kirche Platz hat - schon gar nicht mit einem solchen Amt".

Eine Klarstellung müsse aber auch auf der anderen Seite erfolgen, betonte Bode. Er könne sich "schwer vorstellen", dass die Brüder der Piusbruderschaft von ihren Ansichten zu den kirchlichen Reformen abrückten, "weil sie sich bisher immer anders geäußert haben". Auf die Frage, ob dann nicht der Papst signalisieren müsse, dass die Rehabilitierung wieder rückgängig gemacht werde, sagte Bode: "Wenn sie da nicht einlenken, sehe ich keine andere Möglichkeit." Der vatikanische Ökumene-Beauftragte Kardinal Walter Kasper räumte in einem Interview des Kirchensenders Radio Vatikan "Fehler im Management der Kurie" ein und beklagte mangelnde innere Kommunikation. "Ich beobachte die Debatte mit großer Besorgnis: Niemand kann sich darüber freuen, dass Missverständnisse aufgetreten sind", sagte Kasper. "Es sind sicher auch Fehler gemacht worden im Management der Kurie, das will ich ganz ausdrücklich sagen."

Im Grunde genommen bedeute die umstrittene Aufhebung der Exkommunikation nur, dass die katholische Kirche ein Hindernis weggenommen habe, um wieder in das Gespräch mit der Lefebvre-Bewegung über "eine ganze Reihe von theologischen Fragen" zu kommen. Der Papst habe das Gespräch eröffnen wollen, "weil er die Einheit nach innen will und nach außen", sagte Kasper. Auf die Frage, ob es im Vatikan manchmal an interner Kommunikation fehle, antwortete der frühere Bischof von Rottenburg-Stuttgart: "Ich bin der Meinung: Ja. Ich muss das ganz offen sagen." Der Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan, Pater Eberhard von Gemmingen, sagte MDR Aktuell, das Ganze sei ein "Betriebsunfall" gewesen, das Ergebnis einer "sehr, sehr schlecht kommunizierten Entscheidung". Der Papst sei unschuldig.

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