Katholische Kirche
Wie der Papst mit der Kondom-Erlaubnis trickst

Auf den ersten Blick scheint es, als habe Papst Benedikt XVI. mit seiner Kondom-Erlaubnis zur Verhinderung von Aids ein Tor aufgestoßen. Das Oberhaupt der katholischen Kirche hat aber nur ein kleines Türchen geöffnet - und bedient sich eines Tricks zugunsten einer Charmeoffensive.
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HB ROM/PARIS. Zumal die ersten Reaktionen aus dem Vatikan zur Auflockerung des strikten Kondomverbots der katholischen Kirche durch Papst Benedikt XVI. abschwächend klingen. „Es handelt sich nicht um eine Revolution“, betonte der vatikanische Pressechef, Padre Federico Lombardi bezüglich der Passagen in dem Interviewbuch des deutschen Autors Peter Seewald „Licht der Welt. Der Papst, die Kirche und die Zeichen der Zeit“. Das Buch wird am Dienstag in Rom vorgestellt und erscheint am Mittwoch im Buchhandel.

Weltweit machte der Papst Schlagzeilen mit dem Zugeständnis, dass der Gebrauch von Präservativen „im einen oder anderen Fall in der Absicht, Ansteckungsgefahr zu verringern“, ein erster Schritt sein könne, zu einer anders gelebten, menschlicheren Sexualität. Viele Kommentatoren überschlugen sich und werteten die Aussagen als Kehrtwende bei dem Thema Geburtenkontrolle. Die katholische Kirche sei endlich in der modernen Gesellschaft angekommen.

Lombardi gestand dem Papst „Mut und Klarheit“ zu. Dennoch handele es sich für den Vatikan nicht um einen wirklichen Kurswechsel: „Der Papst reformiert nicht die Linie der Kirche, sondern er unterstreicht sie vielmehr, indem er für den Wert und die Würde der menschlichen Sexualität als Ausdruck von Liebe und Verantwortung eintritt“, sagte Lombardi.

Tatsächlich bricht der Papst nicht mit dem alten Denken. Seine Argumentation basiert auf der Logik des Theologen Thomas von Aquin aus dem 13. Jahrhundert. Papst Benedikt macht klar, dass das Thema Geburtenkontrolle außen vor bleibt und kommt zu dem Schluss, dass die Verwendung von Kondomen „keine wirkliche und moralische Lösung“ ist. Sie ist - in Ausnahmefällen - das kleinere Übel.

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