„Kein Aprilscherz“
Aus Wolfsburg wird Golfsburg

Die Heimatstadt des VW-Konzerns hilft mit beim Verkaufsstart des neuen Erfolgsmodells und will mit der Aktion den Schulterschluss zwischen Stadt und Volkswagen dokumentieren. VW äußert sich zurückhaltend zu den Plänen.

DÜSSELDORF. Wolfsburg zählt nicht gerade zu den beliebtesten deutschen Städten. Plattes Land irgendwo am Rand von Niedersachsen, eigentlich nur bekannt durch die Heimat des VW-Konzerns. Auch die Geschichte meinte es nicht gut mit der künstlich geschaffenen, aus etlichen Dörfern zusammengewürfelten Stadt: Zu Zeiten der deutschen Teilung lag Wolfsburg kurz vor der Grenze zur DDR, war also auch dadurch kein besonders verlockender Ort.

Doch zum Glück gibt es den Konzern. Inmitten der Stadt liegt das größte Werk von VW: Herz und Seele zugleich – sowohl von Wolfsburg als auch vom Unternehmen. Und in diesem Werk beginnt Ende August die Auslieferung des neuen Golf, des wichtigsten Modells im gesamten VW-Konzern. Das hat Wolfsburgs Oberbürgermeister Rolf Schnellecke auf eine Idee gebracht: Von August bis Oktober, wenn Tausende von Autojournalisten das brandneue Gefährt am Sitz des VW-Konzerns in Augenschein nehmen wollen, wird die Stadt offiziell umgetauft – und heißt für einige Wochen „Golfsburg“.

„Kein Aprilscherz“, müht sich ein Pressesprecher der Stadt, mögliche Zweifel an der Aktion erst gar nicht aufkommen zu lassen. Das CDU-Stadtoberhaupt verfolge den befristeten Namenswechsel mit vollem Ernst. „So dokumentieren wir den Schulterschluss zwischen Stadt und Volkswagen“, lässt der Wolfsburger Bürgermeister verbreiten.

Wer im Spätsommer anreist, wird den Namenswechsel gleich an den Stadtgrenzen erleben dürfen. Auf den Ortseingangsschildern will Schnellecke das Wolfsburger „W“ durch ein konzernkonformes „G“ überkleben lassen. Auch das städtische Briefpapier wird sich am großen Vorbild Golf orientieren, Stempel in autogerechter Form soll es außerdem geben.

VW äußert sich zurückhaltend zur Aktion des Bürgermeisters. „Es darf nicht der Eindruck entstehen, als ob der Konzern der Stadt etwas aufgezwungen hätte“, sagt ein Sprecher. Grundsätzlich unterstütze das Unternehmen die Idee. Wahrscheinlich steht gleich die ganze Stadt hinter der Aktion: 50 000 Mitarbeiter zählt das größte Werk von VW, Wolfsburg selbst kommt gerade einmal auf 123 000 Einwohner.

Nachahmer wird die Aktion aus dem Niedersächsischen wahrscheinlich auf die Schnelle nicht finden. Andere deutsche Kommunen, die ebenfalls Autohersteller innerhalb ihrer Stadtgrenzen beherbergen, wollen bislang nichts von einer Namensänderung wissen. Deshalb bleibt der Wechsel von München zu 3er-Burg oder von Stuttgart zu 911er-Hausen wahrscheinlich nur eine fixe Idee

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Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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