Kein Eingeständnis von Fehlern
Mütter von Beslan bei Putin

Erstmals seit der Geiseltragödie von Beslan vor einem Jahr hat der russische Präsident Wladimir Putin am Freitag in Moskau Hinterbliebene empfangen. Das Gespräch fand in gespannter Atmosphären statt. Die Mitteilungen des Kremls zu dem Treffen ließen kein Eingeständnis von Fehlern des Staatsapparates beim Tod von 318 Geiseln, darunter 186 Kinder, erkennen.

HB MOSKAU. Kein Land

könne heute noch die vollständige Sicherheit seiner Bürger vor Terroranschlägen garantieren, sagte der Präsident nach Meldungen russischer Agenturen. Die Berichterstattung über das Treffen war offensichtlich einer Zensur unterworfen.

In Beslan im Nordkaukasus gedachten am Freitag erneut tausende Menschen in der zerstörten Schule Nr. 1 und auf dem Friedhof der Opfer. Etwa 30 trauernde Mütter waren über Nacht in der Schulruine geblieben. Sie wollten drei Tage nicht essen - genauso lang wie ihre Kinder bei der Geiselnahme vom 1. bis 3. September 2004 gelitten hätten, erklärten sie.

Die Einwohner von Beslan machen Fehler der Sicherheitsbehörden und damit letztlich Putin für den Tod vieler Geiseln verantwortlich. Sie kritisieren eine Vertuschung der Zuständigkeiten in den höheren Rängen. Die Vorsitzende des Komitees der „Mütter von Beslan“, Susanna Dudijewa, und der nordossetische Verwaltungschef Tajmuras Mamssurow führten die Abordnung in den Kreml.

Der Präsident sprach sich für eine Aufklärung der Geiselnahme aus. Es gebe auch keine Rechtfertigung für eine mangelhafte Erfüllung von Dienstpflichten zuständiger Beamter. Allerdings könnten sich selbst „entwickelte, starke Staaten mit einer funktionierenden Wirtschaft“ wie die USA, Spanien oder Großbritannien nicht gegen Terrorakte wehren, sagte er: „Was soll man über unser Land sagen, das durch den Zerfall der Sowjetunion große Verluste erlitten hat?“

Die „Mütter von Beslan“ hatten mehrfach um ein Treffen mit Putin gebeten. Die Einladung ausgerechnet während der Trauerfeiern wurde als Pietätlosigkeit gewertet, so dass viele Mütter die Reise nach Moskau ablehnten. „Wir haben lange überlegt, ob wir die Einladung akzeptieren“, sagte Dudijewa. „Während dieser Tage sollten wir eigentlich in der Schule sein, in der unsere Kinder ihre letzten Stunden durchlebten.“

Trotzdem wollten die Hinterbliebenen Putin ihre kritische Fragen stellen. Dabei ging es vor allem darum, wer am 3. September 2004 den Befehl zum Einsatz von Panzern und Flammenwerfern gegen die Schule gab, in der immer noch viele Geiseln waren. Zeugenaussagen überlebender Geiseln legen auch nahe, dass mehr als 32 Terroristen aus Tschetschenien und Inguschetien die Schule überfallen hatten und einige entkommen seien. Nach offiziellen Angaben wurden 31 Terroristen getötet, ein überlebender Geiselnehmer steht in der nordossetischen Hauptstadt Wladikawkas vor Gericht. Bis heute steht ein offizieller Untersuchungsbericht zu Beslan aus.

Die russischen Medien zitierten zunächst keine Aussagen der Hinterbliebenen aus dem Gespräch mit Putin. Das Mütter-Komitee wollte sich nach der Rückkehr der Abordnung am Freitagabend in Beslan äußern. Am Samstag sollte in Beslan ein Denkmal für die Terroropfer enthüllt werden. In Moskau riefen kreml-treue Organisationen zu einer Schweigekundgebung zum Gedenken an Beslan auf.

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