Kein Leisetreter auf dem politischen Parkett
Porträt: Michel Friedman

Der unter Drogenverdacht stehende Michel Friedman (47) ist kein Leisetreter auf dem politischen Parkett. Weder als Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland noch als TV-Talkmaster hält er mit seiner Meinung hinter dem Berg. Kritik ist der CDU-Mann gewöhnt.

HB/dpa FRANKFURT/MAIN/BERLIN. Friedman ist im öffentlichen Leben in mehreren Rollen präsent: Als Vizepräsident leiht er seit Januar 2000 dem Zentralrat der Juden in Deutschland seine Stimme. Als Talk-Show-Moderator nimmt er in seinen Sendungen „Friedman“ (ARD) und „Vorsicht! Friedman“ (hessen fernsehen) eloquent und rhetorisch geschickt seine Gesprächspartner in die Mangel.

Mit stets gebräuntem Teint und top-modischer Kleidung sorgt der Junggeselle auch immer wieder in den Klatschspalten für Schlagzeilen. Privat ist Friedman seit einigen Jahren mit der Fernsehmoderatorin Bärbel Schäfer (38) liiert. Weniger hört man von Friedman, dem Frankfurter Anwalt.

Geradezu eine politische Feindschaft pflegte Friedman mit dem am 5. Juni bei einem Fallschirmsprung getöteten Jürgen Möllemann. Dieser hatte den Zentralratsvize mehrfach öffentlich angegriffen. Der frühere FDP-Politiker warf Friedman vor, „mit seiner intoleranten, gehässigen Art“ mitverantwortlich für den Zulauf zum Antisemitismus zu sein. Im September 2002 ließ Möllemann im Bundestagswahlkampf ein Faltblatt mit Kritik an der israelischen Regierung und an Friedman an Millionen Haushalte in Nordrhein-Westfalen verteilen.

Der 1956 in Paris geborene „lustvolle Provokateur“ („Die Woche“) Friedman ist seit 1983 Mitglied der CDU. 1994 wurde er in den Bundesvorstand der Partei gewählt, 1996 scheiterte er mit einer neuerlichen Kandidatur. Ein unkritisches Parteimitglied ist er nicht: Nach dem Spendenskandal der hessischen CDU wechselte er 2000 aus Protest in den saarländischen Landesverband.

Auch international spielt Friedman eine beachtliche Rolle. Im November 2001 wurde er zum neuen Präsidenten des „European Jewish Congress“ (Europäisch-Jüdischer Kongress) gewählt. Das Amt hat er bis 2005 inne. Friedman stammt aus einer polnisch-jüdischen Familie, die der Unternehmer Oskar Schindler vor den Gaskammern der Nationalsozialisten gerettet hatte. 1965 siedelte die Familie mit ihrem Pelzgeschäft von Paris nach Frankfurt über.

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