Kein Monopol auf Testosterone
Experte fordert radikales Umdenken bei Videospielen

Um mit Videospielen mehr Menschen als bisher anzusprechen, muss sich einiges ändern, fordert ein Experte. Es sei falsch, wenn die Spiele nur für junge Männer konzipiert würden.

HB BERLIN. In Amerika ist der typische Konsument von Videospielen männlich und zwischen 20 und 30 Jahren alt. Der Inhalt der Videospiele orientiert sich denn auch häufig an den Bedürfnissen ihrer männlichen Käufer: Viele Spiele handeln von brutalen Kämpfen oder halsbrecherischen Verfolgungsjagden.

Wollen Videospiele aber mehr Menschen erreichen als bisher, müsse sich dieses Image, das den Spielen anhaftet, radikal ändern. Das hat Doug Lowenstein, der Präsident des amerikanischen Fachverbandes für Videospiele, der «Entertainment Software Association» (ESA), laut einem Bericht der BBC gefordert.

«Unsere eigene Industrie verstärkt das Vorurteil, dass meist Männer Videospiele spielen. Das geschieht vor allem durch unsere Marketing-Strategien», sagte Lowenstein anlässlich der Eröffnung der weltweit größten Videospielmesse, der «E3 expo», in Los Angeles. Auch die Spiele selbst seien oft zu brutal und aggressiv, als dass sie ein breites Publikum ansprechen könnten.

Vor allem Spiele wie «Grand Theft Auto: San Andreas» verstärken dieses Image. Die Handlung spielt in einem Staat, in dem die Bewohner versuchen müssen, Dealern, Bandenkriegen und Straßengangs aus dem Weg zu gehen. Dennoch wurde es im vergangenen Jahr zum meistverkauftesten Spiel in den USA.

Orientieren sich die Hersteller aber zu sehr an den Bedürfnissen ihrer männlichen Käufer, gehen ihnen mit den Frauen zahlreiche potenzielle Käuferinnen verloren: Immerhin sind etwa ein Drittel der Konsolenspieler weiblich. Meistens spielten sie jedoch seltener und weniger Spiele als ihre männlichen Kollegen, fand die ESA heraus.

«Es muss eine kulturelle Veränderung stattfinden, damit junge Mädchen und Frauen spüren, dass Videospiele zu spielen nicht nur ein auf Testosterone monopolisiertes Hobby ist, das für ihre Freunde und Ehemänner reserviert ist», sagte Lowenstein.

Zwar ist bereits jetzt die Spielebranche ein einträgliches Geschäft: In den USA gaben Spieler im vergangenen Jahr mehr als sieben Milliarden US-Dollar für ihr Hobby aus. Trotzdem stehen die Einnahmen, die die Spieleindustrie weltweit verbucht, noch weit hinter denen der Filmbranche zurück: Nahm die Filmindustrie weltweit etwa 45 Milliarden Dollar ein, konnte die Videospielbranche «nur» Gewinne in Höhe von 28 Milliarden Dollar verzeichnen.

Spielehersteller müssten die Spiele deshalb radikal ändern, forderte der ESA-Präsident. So müssten Spiele einfacher zu bedienen sein, da sich viele Menschen häufig von der Technik und der Komplexität der Spiele abgeschreckt fühlten. Zudem sollten Hersteller bei Spielen auf aggressive Titel verzichten, die nur dazu dienten, die Verkaufszahlen in die Höhe zu treiben, sagte er.

Wenn Videospiele jemals einen Status ähnlich wie Kinofilme erhalten wollten, müsste es ihnen gelingen, zum Gesprächsthema beim Abendessen werden, sagte Lowenstein. «Das schaffen sie aber niemals, wenn sie nur das Fachgebiet einer kleinen Elite seien, die ihre eigene Sprache spricht und sich in Chatrooms und LAN-Zentern trifft«, sagte Lowenstein.

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