Kein Schwarzer in der Jury: Geschworene für Jackson-Prozess stehen fest

Kein Schwarzer in der Jury
Geschworene für Jackson-Prozess stehen fest

Im Prozess gegen Michael Jackson sind die zwölf Geschworenen ausgewählt worden, die über den Vorwurf des Kindesmissbrauchs gegen den Popstar befinden sollen. Die hauptsächlich weißen Geschworenen haben allerdings einen völlig anderen Hintergrund als Jackson.

HB SANTA MARIA. „Wir haben eine Jury“, sagte Richter Rodney Melville, nachdem Staatsanwaltschaft und Verteidigung der Auswahl zugestimmt hatten. Die zwölf Geschworenen im Alter zwischen 20 und 79 Jahren, die am Mittwoch ausgewählt wurden, stammen hauptsächlich aus der weißen Arbeiterschicht. Sie repräsentieren die Bevölkerung des kalifornischen Gerichtsortes Santa Maria und haben einen völlig anderen Hintergrund als der 46 Jahre alte Schwarze Jackson. Das Gericht muss nun noch acht Ersatzgeschworene finden und einige formale Streitfragen zwischen Anklage und Verteidigung klären. Die eigentliche Verhandlung im Fall Jackson könnte dann bereits in der kommenden Woche beginnen.

Jackson wird beschuldigt, auf seiner Ranch „Neverland“ einen 13-jährigen Jungen sexuell missbraucht zu haben. Er selbst weist den Vorwurf zurück und beteuert seine Unschuld.

Die rasche Auswahl der Geschworenen kam überraschend für viele Experten. In der Jury werden acht Weiße, drei Hispanier und eine Asiatin sitzen, jedoch kein einziger Schwarzer. „Alle Verallgemeinerungen in Bezug auf die Rasse der Geschworenen sind gefährlich“, sagte der frühere Staatsanwalt in San Francisco, Jim Hammer. „Afroamerikaner wünschen sich jedoch häufig eine Vertretung in der Jury. Es könnte auch Probleme mit der öffentlichen Wahrnehmung geben, weil manche Menschen vielleicht denken, dass er keinen fairen Prozess bekommt“.

Die Jury stehe jedoch für die Bevölkerung der Gegend. „Diese Jury ist wie Santa Maria: Die Geschworenen sind das Urgestein der Arbeiterklasse. Auf der anderen Seite bin ich mir nicht sicher, ob Michael Jackson unter ihnen seinesgleichen findet“, sagte Hammer.

Unter den Geschworenen ist eine 42-jährige Frau, deren Schwester im Alter von zwölf Jahren vergewaltigt wurde. Zwei ihrer Nichten seien Opfer von sexuellem Missbrauch geworden, gab sie in der Befragung an. Ihr Schwager verbüße in einem Gefängnis in Florida eine Haftstrafe wegen eines ähnlichen Vergehens. Die Frau betonte jedoch, sie könne trotz dieser Vorgeschichte beide Seiten fair beurteilen. Der Enkel einer 79-jährigen Geschworenen wurde wegen eines Sexualdeliktes zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Zu der Jury zählen außerdem ein 62 Jahre alter Bauingenieur, ein 50-jähriger Pferdetrainer und eine körperbehinderte 21-jährige Studentin, die Sportjournalistin werden will. Die meisten der Geschworenen kennen den Jackson-Fall, haben die Berichterstattung darüber in den Medien nach eigener Aussage jedoch nicht genau verfolgt. Außerdem sagten sie, sie vertrauten nicht darauf, dass die Journalisten korrekt über den Fall berichteten.

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