Keine angemessene Verteidigung im ersten Prozess
Mutter in Nigeria wird nicht gesteinigt

Die Steinigung einer zwei Jahre nach ihrer Scheidung erneut schwanger gewordenen Mutter findet nicht statt. Ein islamisches Berufungsgericht in Nigeria hat die Frau frei gesprochen.

HB NAIROBI. Die 31 Jahre alte Amina Lawal habe sich nicht ausreichend verteidigen können, urteilten die Richter am Donnerstag in der nigerianischen Stadt Katsina nach Medienberichten. Lawal war verurteilt worden, weil sie zwei Jahre nach ihrer Scheidung schwanger geworden war. Das islamische Gericht sah darin einen Ehebruch.

Das Todesurteil hätte im Interesse der Tochter frühestens nach zwei Jahren vollstreckt werden sollen. Lawals Anwälte hatten argumentiert, dass das Kind noch vor der Einführung des islamischen Rechts gezeugt worden sei.

Die Scharia wurde in den vergangenen drei Jahren in 12 der 36 Bundesstaaten eingeführt. Seitdem wurde mehreren Dieben die Hand abgehackt und eine minderjährige Mutter öffentlich ausgepeitscht. Ein Steinigungsurteil wurde bislang jedoch noch nicht vollstreckt. Nigerias Präsident Olesegun Obasanjo hatte betont, dass eine Steinigung wegen Ehebruchs nicht der Verfassung entspreche.

Der mutmaßliche Vater des Kindes hatte ein sexuelles Verhältnis zu Lawal bestritten. Das Gericht ließ daraufhin die Anklage gegen ihn fallen. In ihrem ersten Prozess hatte Lawal keinen Rechtsanwalt gehabt. Ein erster Berufungsantrag, den sie mit Hilfe einer Frauenorganisation formulierte, war im vergangenen Jahr abgewiesen worden.

Der Fall hatte weltweit Aufsehen erregt. Menschenrechtsorganisationen riefen zu Unterstützungskampagnen und E-Mail-Petitionen auf. Zahlreiche Politiker setzten sich für die Todeskandidatin ein, unter ihnen auch Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) und Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD). Brasilien bot der jungen Mutter Asyl an.

Im vergangenen Jahr sagten mehrere Schönheitsköniginnen aus Protest gegen das Urteil ihre Teilnahme an der Wahl zur Miss World ab, die in Nigeria stattfinden sollte. Die schwelenden Spannungen in dem halb christlich, halb muslimischen Land entluden sich in blutigen Ausschreitungen. Mehr als 200 Menschen kamen ums Leben. Die Miss- World-Wahl wurde schließlich nach London verlegt.

Nach Informationen der Anwälte sind derzeit noch zehn weitere Menschen vor islamischen Gerichten wegen Ehebruchs angeklagt. Am Tag des Freispruchs für Lawal verurteilte ein islamisches Gericht im nigerianischen Bundesstaat Bauchi einen Mann wegen homosexueller Beziehungen zum Tod durch Steinigung.

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