Keine Angst während der Entführung
Ex-Geiseln: Wir waren nicht leichtsinnig

Mehrere der in der Sahara befreiten Geiseln haben den Vorwurf zurückgewiesen, sich mit der Reise in das Gebiet leichtsinnig selbst in Gefahr begeben zu haben. „Auf keinen Fall“, sagte der 46-jährige Rainer Bracht am Mittwochabend in den ARD-„Tagesthemen“.

HB/dpa BERLIN. Ihr Reisegebiet, der Süden Algeriens, habe „als sicheres Gebiet“ gegolten. Entführungen, wie er und seine 14 Mitgefangenen sie erlebt hatten, habe es dort früher nie gegeben. Auch das Auswärtige Amt habe lediglich vor Sahara-typischen Gefahren wie Verirren oder Verdursten gewarnt.

Der Österreicher Ingo Bleckmann verwahrte sich ebenfalls gegen den Vorwurf, die Touristen seien für ihre Gefangennahme durch Leichtsinn mitverantwortlich. Bleckmann gehört zu jenen 17 Entführten, die bereits Mitte Mai befreit worden waren. „Wir haben uns vorher bei den Botschaften erkundigt, wir haben Länderinformationen über Internet eingeholt, und wir sind extra über Tunesien in die Mitte Algeriens eingereist, weil dort noch nie etwas passiert ist“, sagte Bleckmann dem Hörfunksender MDR Info.

Zuvor waren Forderungen laut geworden, die Ex-Geiseln sollten an den Kosten ihrer Befreiung beteiligt werden. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Markus Meckel sagte der „Rheinischen Post“: „Wer sich selbstverantwortlich in Risiken begibt, sollte auch finanziell zur Verantwortung gezogen werden.“ Der außenpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Ludger Volmer, hält diese Diskussion dagegen für „völlig überflüssig“. Nach dem Konsulargesetz sei die Bundesregierung verpflichtet, deutschen Bürgern im Ausland zu helfen.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Reisebüro- und Reiseveranstalter-Verbandes (DRV), H. Jochen Martin, betonte, die Sicherheit der Kunden habe „oberste Priorität“. Meist seien die Touristikunternehmen noch vorsichtiger als vom Auswärtigen Amt geboten. „Veranstalter, die aktuell Algerien im Programm haben, sind mir nicht bekannt“, sagte Martin der „Berliner Zeitung“ (Donnerstag). Er bedauerte, dass manche Urlauber zu große Risiken eingingen. „Es wäre besser, sie ließen sich im Reisebüro beraten und würden mit professionellen Veranstaltern verreisen.

Nach sechs Monaten Geiselhaft in der Sahara waren die neun Deutschen, vier Schweizer und ein Niederländer am Mittwochmorgen wohlbehalten nach Deutschland zurückgekehrt. Der Staatssekretär im Bundesaußenministerium, Jürgen Chrobog, sprach von der „wohl langwierigsten und aufwendigsten Rettungsaktion deutscher Touristen im Ausland, die wir bisher durchgeführt haben“. Zu den Bedingungen der Freilassung wollte der Diplomat sich nicht äußern. Es soll Lösegeld in Millionenhöhe gezahlt worden sein, Libyen soll geholfen haben.

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