Keine Freilassung vor Montag
Rettung der Sahara-Geiseln zum Greifen nah

Die Heimkehr der 14 Sahara-Geiseln aus Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz ist offenbar zum Greifen nah. Die Übergabe der seit sechs Monaten verschleppten Touristen aus Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz könne unter glücklichen Umständen an diesem Montag erfolgen, erfuhr die deutsche Presse-Agentur am Sonntagabend in Bamako, der Hauptstadt Malis, aus den Unterhändlern nahe stehenden Kreisen.

HB/dpa MAINZ/BAMAKO. Das ZDF hatte am Sonntagabend berichtet, die von radikalen Islamisten aus Algerien entführten Geiseln seien bereits frei. Dies wurde von deutscher Seite nicht bestätigt. „Unsere Informationen decken das nicht“, hieß es am Abend aus diplomatischen Kreisen in Bamako.

Der deutsche Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Jürgen Chrobog, war am Sonntagnachmittag (Ortszeit) mit einem Luftwaffen-Airbus in Bamako eingetroffen. Er hatte nach der Landung gesagt: „Ich wäre nicht hier, wenn wir nicht guter Hoffnung wären. Wir stellen uns auf alles ein.“ Man wisse jedoch noch nicht, wo sich die auf mehrere Gruppen verteilten Geiseln genau befänden. Die Bundesregierung habe aber „alle Voraussetzungen geschaffen, um sie nach Hause zu bringen“. Auf die Frage, ob es ein „guter Tag“ für ihn sei, sagte Chrobog vor Journalisten: „Fragen sie mich das heute Abend oder morgen früh.“

Nach ZDF-Informationen soll ein malischer Unterhändler bereits am Samstag ein Lösegeld an die Geiselnehmer übergeben haben. Dem Vernehmen nach kam das Geld nicht von der Bundesregierung. Auch die Höhe der Summe sei nicht genau bekannt. Die in Medienberichten einmal als Forderung der Kidnapper genannte Summe von 64 Millionen Euro halten Experten einhellig für weit übertrieben.

Nach inoffiziellen Berichten stand in der Stadt Gao im Norden Malis eine Transall-Maschine der Bundesluftwaffe bereit, um die 14 Touristen nach der Freilassung nach Bamako zu bringen. Dort sollen die Freigelassenen medizinisch versorgt und mit einem Airbus der Bundeswehr in ihre Heimat geflogen werden.

Das Flugzeug mit Chrobog war um 16.01 Uhr Ortszeit (18.01 MESZ) auf dem internationalen Flughafen von Bamako gelandet. Der Luftwaffen-Airbus war nach Augenzeugenberichten auch mit medizinischem Gerät und Personal bestückt. Chrobog, der die Bemühungen Berlins um die Freilassung der Geiseln koordiniert, hatte zuletzt am Donnerstag in Bamako mit der Regierung Malis gesprochen und vor allem die gute Zusammenarbeit mit den örtlichen Behörden gelobt.

Insgesamt waren zuletzt neun Touristen aus Deutschland, vier Schweizer und ein Niederländer in der Hand der Entführer. Sie waren am 22. Februar und am 8. März gemeinsam mit anderen Europäern im algerischen Teil der Sahara verschleppt worden. 17 Geiseln wurden Mitte Mai in Algerien befreit. Eine Gefangene, die 46 Jahre alte Deutsche Michaela Spitzer, starb am 28. Juni an einem Hitzschlag.

Mit den restlichen Geiseln war die Kidnapper-Gruppe in den malischen Teil der Wüste geflohen, wo sie seitdem in der Bergregion um Kidal im Norden des Landes lokalisiert wurde. In den vergangenen Tagen soll die Gruppe der 14 Entführten weit verstreut gewesen sein.

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