Keine öffentliche Anhörung
Oslo-Attentäter tötet auch Stiefbruder von Mette-Marit

Fast 100 Menschen hat Anders Behring getötet - darunter auch den Stiefbruder von Kronprinzessin Mette-Marit. Das Gericht verhinderte nun vorerst, dass sich der Geständige öffentlich zu seinen Taten äußern darf.
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OsloDer erste Hafttermin nach den Anschlägen in Norwegen mit fast hundert Toten findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Das entschied der zuständige Richter nach Angaben des TV-Senders NRK kurz vor dem Eintreffen des mutmaßlichen Attentäters Anders Behring Breivik im Osloer Stadtgericht. Damit folgt das Gericht den Forderungen von Staatsanwaltschaft und Polizei.

Breivik gab die Anschläge zu, wies jedoch zurück, strafbar gehandelt zu haben. Als Motiv gab er an, die norwegische Gesellschaft revolutionieren zu wollen. Bei der Bombenexplosion am Freitag in Oslo kamen sieben, bei dem anschließenden Blutbad auf der Insel Utøya mindestens 86 Menschen ums Leben.

Die Opferzahl bei den beiden Anschlägen ist derweil möglicherweise niedriger als bisher angenommen. Landespolizeichef Øystein Mæland kündigte am Montagmorgen im TV-Sender NRK an, dass im Tagesverlauf eventuell eine nach unten korrigierte Zahl der Toten veröffentlicht werde. Bisher hatten die Behörden von mindestens 86 Toten beim Massaker in einem Sommerlager auf der Insel Utøya und mindestens sieben Toten durch die Bombenexplosion im Osloer Regierungsviertel gesprochen.

Mæland wollte noch keine konkreten Angaben zu den neuen Zahlen machen. Er verwies auf eine komplizierte Aufklärungsarbeit bei der Identifizierung von Toten und bei den Angaben über Vermisste. Dabei habe man die Zahlen möglicherweise zunächst zu hoch angesetzt.

Der Polizeichef sagte weiter: „Jeder und jede einzelne Getötete sind eine Katastrophe. Aber dass es insgesamt wohl weniger sind, ist eine gute Nachricht in diesem sonst so trostlosen Bild.“

In ganz Norwegen wurde der überwiegend jugendlichen Opfer des beispiellosen Verbrechens um 12.00 Uhr mit einer Schweigeminute gedacht. Der rechtsradikale Breivik hatte in Verhören nach den beiden Anschlägen vom Freitag mit mindestens 93 Toten erklärt, dass er seine Motive vor dem Haftrichter darlegen wolle. Dafür wünsche er Öffentlichkeit. In seinem sogenannten Manifest im Internet hatte Breivik geschrieben, dass er die Zeit nach einer möglichen Festnahme als „Propagandaphase“ nutzen wolle.

Die Staatsanwaltschaft wird ausnahmsweise acht Wochen Untersuchungshaftfordern - und damit doppelt so viel wie üblich. Nach Angaben der Polizei ist normalerweise eine Untersuchungshaft von maximal vier Wochen möglich, in besonderen Fällen kann sie aber entsprechend verlängert werden.

Unterdessen wurde bekannt, dass sich der Stiefbruder der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit unter den Todesopfern des Massakers auf der Insel Utøya befindet. Das Königshaus erklärte am Montag, dass der Stiefbruder Mette-Marits, ein Polizist, der zum Zeitpunkt des Blutbads auf Utøya nicht im Dienst war, unter den Todesopfern ist. Eine Sprecherin des Königshauses sagte, bei dem Toten handele es sich um Trond Berntsen, den Sohn von Mette-Marits Stiefvater, der 2008 verstorben ist.

Wie die Zeitung „Dagbladet“ am Montag in ihrer Online-Ausgabe berichtete, wurde der 51-jährige Polizist Berntsen erschossen, als er seinen zehnjährigen Sohn schützen wollte. Zum Zeitpunkt des Blutbads am Freitag befand er sich nicht im Dienst. Berntsens Vater war mit der Mutter Mette-Marits, Marit Tjessem, verheiratet.

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Toter Polizist wirft neues Licht auf Bluttat

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  • diesen täter mit den rechten politikern in einen hut zu werfen, zeigt, wie oberflächlich doch die menschheit sein kann. die nazis waren auch keine weiterentwickelten massenmörder, sondern politisch legitim unterwegs und haben die damalige verfassung ausgehöhlt, falls es eine wirkliche jemals gegeben hatte. er hat denen eigentlich einen bärendienst erwiesen, denn nun werden die eurokritiker erblassen und sich auch fragen, warum einer so extrem werden konnte. aber was wirklich abgespielt wurde, wissen wir doch nicht. ich sag nur sdu, benutzung von dum-dum-geschossen, die auch von anti-terror-einheiten genutzt werde und eine gewisse mittäterschaft der polizei, die 60 minuten untätig zugeschaut hat.

  • Europa muß die rechte Brut, d.h. in Skandinavien ("Die Wahren...."), Holland (Wilders), Belgien ("Flamse....."), Frankreich (Le Pen), Italien (Lega Nord), Ungarn (Jo...), Österreich (FPÖ) abstreifen. Die Nazis waren auch Massenmörder, nur weiter entwickelt.

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