Kennedy-Bonds unter doppeltem Kofferboden versteckt
Italien rätselt über Milliarden-schweren Anleihe-Schmuggel

Geldsegen oder Fälschungsrekord? Ein vom italienischen Zoll aufgedeckter Schmuggelfall könnte sich als unverhoffter Geldsegen für den italienischen Staat erweisen.

dpa CHIASSO. Zumindest ein Teil der geschmuggelten US-Staatsanleihen im Wert von 96 Milliarden Euro, mit denen zwei Männer vor gut einer Woche an der italienischen Grenze zur Schweiz erwischt wurden, könnte echt sein.Das sagte Oberst Rodolfo Mecarelli von der italienischen Finanzpolizei Como am Samstag der Deutschen Presseagentur dpa. Bis zu 40 Prozent der Summe - im Höchstfall also etwa 38,5 Mrd. Euro - dürfte der italienische Staat als Strafe für sich einfordern. Zum Vergleich: Der italienische Verteidigungshaushalt 2008 belief sich auf rund 29 Mrd. Euro.

Entdeckt wurden zehn sogenannte Kennedy-Bonds zu je einer Milliarde Dollar (715 Mio. Euro) und 249 US-Staatsanleihen mit einem Nennwert von je 500 Mio. Dollar (rund 358 Mio. Euro). Die Männer der "Dogana Como-Chiasso" fanden die wertvollen Papiere am 3. Juni im doppelten Boden eines Koffers. Die im Zug Richtung Schweiz reisenden Besitzer - den Angaben nach zwei Japaner über 50 - wurden vorläufig festgenommen. Es ist verboten, Beträge über 10 000 Euro in Nicht-EU-Länder auszuführen, ohne sie beim Zoll anzugeben.

"Was die Echtheit der Kennedy-Bonds angeht, haben wir noch Zweifel, aber die US-Staatsanleihen im Wert von rund 358 Mio. Euro scheinen glaubwürdig. Sie sind aus Filigranpapier von ausgezeichneter Qualität", so Mecarelli. Außerdem liege den Papieren eine umfangreiche Bankdokumentation im Original bei. Die Echtheitsprüfung gehe aber weiter.

Nach Berichten der Finanzagentur Bloomberg hat die "Guardia di Finanza" den Fall jetzt an die US- Börsenaufsicht (SEC) weitergeleitet. Die Bezeichnung "Kennedy" scheine unter den US-Bonds nicht vorzukommen. Außerdem hätten Bonds in dieser Höhe 1934 - dem nach Bloomberg angeblichen Ausgabe-Datum der Wertpapiere - wohl kaum existiert, hieß es weiter. Man erwarte eine Antwort "binnen weniger Tage". Sollten die gefundenen Papiere jedoch echt sein, wären die beiden Japaner die viertgrößten Gläubiger der USA.

Der Schmuggelskandal gibt noch viele Rätsel auf. Zwar ertappen die Zöllner an der schweizerischen Grenze öfter Schmuggler mit gewaltigen Geldwerten. Geldkuriere mit versteckten Banknoten und selbst Goldbarren seien häufig, hieß es. Bei Wertpapieren in dieser Höhe zeige aber die Erfahrung, dass es sich meistens um Fälschungen handele. Die Gesamtsumme der beschlagnahmten US-Anleihen sei zudem einmalig hoch. Der italienische Zoll stöberte bisher gefälschte Wertpapiere mit maximal bis zu einer Milliarde Dollar Wert auf.

Geheimnisvoll ist auch die Rolle der beiden Asiaten. "Wir haben die beiden Männer verhört. Sie haben ihre Aussagen hinterlegt und sind im Moment wieder auf freiem Fuß", erklärte Mecarelli. Mehr teilte der Oberst nicht mit - mit Verweis auf die noch laufenden Ermittlungen. Es ist jedoch nach italienischen Medienberichten eher ungewöhnlich, dass an der italienischen Grenze zur Schweiz japanische Schmuggler festgenommen werden.

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