Kernkraft
Betreiber des AKW Krümmel wegen „Salami-Taktik“ in der Kritik

Wegen seiner zögerlichen Informationspolitik nach dem Brand im Atomkraftwerk Krümmel ist der Betreiber in die Kritik geraten. Vattenfall hatte die Öffentlichkeit nicht darüber informiert, dass das Feuer Auswirkungen auf den Reaktor des Kraftwerls hatte.

HB HAMBURG. Der Konzern Vattenfall wirke unglaubwürdig, wenn erst jetzt zugegeben werde, dass der Zwischenfall schwerer gewesen sei als angenommen, erklärte der Umweltverband Bund am Mittwoch. Ein Kommunikationsexperte kritisierte die „Salami-Taktik“. Vattenfall wies die Vorwürfe zurück.

Das für Reaktorsicherheit in Schleswig-Holstein zuständige Sozialministerium hatte am Dienstag mitgeteilt, dass der Störfall im nahe Hamburg gelegenen AKW Krümmel weitaus schwerwiegender war als zunächst bekannt. Auch der Reaktor war betroffen. Laut Aufsichtsbehörde kam es nach dem Brand eines Transformators auch zum „unplanmäßigen Ausfall einer von mehreren Reaktorspeisewasserpumpen“.

Vattenfall hatte am vergangenen Donnerstag zunächst erklärt, der Reaktor selbst sei nicht betroffen, und die Öffentlichkeit nicht über zusätzliche Probleme aufgeklärt. Die Atomexpertin der Grünen im Europaparlament, Rebecca Harms, warf Vattenfall vor, die Bevölkerung bewusst getäuscht zu haben. „Es ist skandalös, dass Vattenfall erneut systematisch den Verlauf eines Störfalls verharmlost und verschleiert“, erklärte Harms.

Der Kommunikationsexperte Klaus Kocks kritisierte die „Salami-Taktik“ Vattenfalls. Informationen nur scheibchenweise herauszurücken, habe eine unrühmliche Tradition bei den Atomkraftwerksbetreibern und ruiniere ihre Glaubwürdigkeit täglich neu. „Zu der Zuverlässigkeit des Betreibers eines Kernkraftwerks gehört auch die Zuverlässigkeit der Information“, sagte Kocks der „Financial Times Deutschland“. Kocks leitete 1986 nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl die Krisenkommunikation der deutschen Energiewirtschaft und später die Kommunikation bei VW.

Vattenfall bestätigte Auffälligkeiten bei der Abschaltung, wies aber Kritik an der Informationspolitik zurück. Ordnungsgemäß seien die Auffälligkeiten unmittelbar der Aufsichtsbehörde gemeldet worden, betonte Geschäftsführer Bruno Thomauske. Der Konzern räumte jedoch ein, die Bevölkerung nicht über die zusätzlichen Probleme aufgeklärt zu haben. Zur Begründung sagte Sprecher Ivo Banek: „Das waren Randerscheinungen, die keine sicherheitstechnischen Auswirkungen hatten.“

Die schleswig-holsteinische Sozialministerin Gitta Trauernicht erklärte im Hinblick auf die Diskussion: „Die Öffentlichkeit ist vom Sozialministerium umfassend, solide und schnell informiert worden.“ Dies erfolge auf der Basis eigener und durch Gutachten gestützter Fakten. Erst am Montagabend habe man mit einer Besichtigung der Anlage und einer vertieften Analyse der Abläufe beginnen können. Es sei nicht Aufgabe des Sozialministeriums, erste Informationen des Betreibers ungeprüft weiterzugeben, betonte die Ministerin.

Am Donnerstag vor einer Woche hatte ein Transformator im AKW Krümmel im schleswig-holsteinischen Geesthacht nach einem Kurzschluss Feuer gefangen. Daraufhin war eine Schnellabschaltung ausgelöst worden. Vattenfall geht weiter davon aus, dass sich Öl als Kühlflüssigkeit entzündet hat. Die Ursache des Kurzschlusses wird derzeit von Sachverständigen untersucht.

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