Killerspiel-Debatte
Angeklagter begründet Mord mit Computerspiel

In einem Mord-Prozess in Cottbus begründete der Angeklagte die Tat mit dem Konsum von Computerspielen. Unterdessen hält die Diskussion um ein Verbot von "Killerspielen" an. Das Bundesjustizministerium sieht darin jedoch „keinen strafrechtlichen Mehrwert“.

HB COTTBUS. Im Verfahren gegen einen 19-Jährigen, der im Juli 2006 einen Obdachlosen in Cottbus getötet haben soll, gestand der Angeklagte zu Prozessbeginn am Donnerstag die Tat. Als Grund gab er an, nach ständigen Niederlagen bei brutalen Wrestling-Spielen auf der Playstation frustriert gewesen zu sein und dies an seinem Opfer ausgelassen zu haben.

Um die Frage der Schuldfähigkeit zu klären, hat die 3. Große Strafkammer ein Gutachten beim Ulmer Hirnforscher Manfred Spitzer in Auftrag gegeben. Er soll eine medizinische Expertise abgeben, ob nach neuesten Erkenntnissen der Hirnforschung das Spielen von „Smack Down vs. Raw 2006“ oder vergleichbarer Computerspiele bei dem Angeklagten die Schuldfähigkeit beeinträchtigt haben kann.

In diesem Fall kann der mutmaßliche Mörder mit einer milderen Strafe rechnen. Spitzer soll sein Gutachten am kommenden Montag nach einer Vorführung des Spieles im Gerichtssaal abgeben.

Dem Angeklagten wird vorgeworfen, seinem Opfer am 10. Juli 2006 mit zahlreichen Faustschlägen und Fußtritten das Gesicht so schwer zertrümmert zu haben, dass die Verletzungen tödlich waren. Vor der Tat hatten beide noch gemeinsam einen Bekannten besucht, mit dem der Angeklagte das Wrestling-Programm gespielt hatte. Als weiteren Grund für seine Aggression nannte der Angeklagte Ärger über eine Polizeikontrolle einen Tag zuvor.

Der Kommunikationswissenschaftler Michael Kunczik von der Universität Mainz warnt davor, die Nutzung von Computerspielen für Gewalttaten verantwortlich zu machen: „Diese Argumentation ist sogar gefährlich", sagte Kunczik dem Handelsblatt, „denn wir haben bei Befragungen von Psychologen, Richtern und Staatsanwälten festgestellt, dass delinquente Jugendliche inzwischen Mediengewalt als Rechtfertigung benutzen, um ihr Verhalten zu begründen."

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