Aus aller Welt

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Kinderarbeit: Zum Überleben im Müll stochern

Am 12. Juni ist Internationaler Tag gegen Kinderarbeit, der auf die Lebensumstände von Millionen Kindern und Jugendlichen aufmerksam macht. Allein auf den Philippinen müssen mehr als vier Millionen von ihnen arbeiten.

Ein philippinischer Junge sucht in einem Slum in Manila nach verwertbaren Dingen. (06.04.2011) Quelle: dpa
Ein philippinischer Junge sucht in einem Slum in Manila nach verwertbaren Dingen. (06.04.2011) Quelle: dpa

ManilaEs ist heiß und stickig, und von den Abgasen der stinkenden Autos bleibt einem im Slum von Tondo in der philippinischen Hauptstadt Manila fast der Atem weg. Enrico Mercado (12) und sein Bruder (17) treten trotzdem abwechselnd in die Pedale. Sie haben ein Fahrrad mit Seitenwagen. Die beiden suchen Abfallhaufen ab. Nach allem, was sich noch irgendwie zu Geld machen lassen könnte. „Ich mach' das, seit ich acht bin“, sagt der Jüngere. Er hat außer dem Bruder noch sechs weitere Geschwister. Viel kommt nicht zusammen, aber ohne das wäre die Familie aufgeschmissen. „Wir können bis 400 Pesos am Tag schaffen“, sagt er. Das sind umgerechnet 6,30 Euro. „Wir machen Halbe-Halbe. Ich gebe meiner Mutter 150 Pesos, und die restlichen 50 gehen in die Spardose, für Schulausgaben.“ Dass der Zwölfjährige überhaupt zur Schule kann, verdankt er der ERDA-Stiftung, die sich um Kinder kümmert, die mitarbeiten müssen. Der Junge ist dünn wie eine Bohnenstange. Früher sei ihm ständig schlecht geworden, sagt er. Seit zwei Jahren geht es besser. „Ich habe mich wohl an den Dreck und die Bakterien gewöhnt“, sagt er.

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Kinderarbeit

  • Wie viele Kinder müssen arbeiten?

    Rund 200 Millionen Kinder zwischen fünf und 14 Jahren müssen nach Schätzung der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) weltweit arbeiten. Das UN-Kinderhilfswerk Unicef geht von etwa 150 Millionen Kinder aus.

  • In welchen Regionen ist Kinderarbeit verbreitet?

    Auf dem afrikanischen Kontinent schuftet etwa jedes dritte Kind, in Asien sind es etwa 13 Prozent. (Quelle: Unicef)

  • Gibt es auch Kinderarbeit bei uns?

    Auch in den Industrieländern gibt es Kinder, die wirtschaftlich tätig sind. Sie arbeiten allerdings in anderem Maße, tragen zum Beispiel Zeitungen aus oder arbeiten bei Film- und Fernsehproduktionen mit. Das dies vom Gesetzgeber streng überwacht wird, sah man jüngst in der RTL-Sendung "Deutschland sucht den Superstar". Dort musste der 16-Jährige Kandidat Sebastian Wurth ab 22 Uhr die Bühne verlassen und sich den Rest der Sendung zu den Zuschauern setzen.

  • In welchen Bereichen arbeiten Kinder?

    Drei Viertel von ihnen werden der ILO zufolge täglich bis zu 16 Stunden in der Landwirtschaft beschäftigt. Wirtschaftliche Ausbeutung von Kindern gibt es auch im Bergbau und der chemischen Industrie. Daneben gibt es auch viele die sich als Straßenverkäufer, Dienstboten, Schuhputzer oder in Werkstätten verdingen. Im Extremfall werden Kinder als Drogenkuriere, Soldaten oder zur Prostitution eingesetzt.

  • Was sind die Folgen der Kinderarbeit?

    Die bei der Feldarbeit eingesetzten Chemikalien und Düngemittel können zu Haut- und den Atemwegserkrankungen führen. Aufgrund der gebückten Arbeitshaltung treten zudem Wachstumsprobleme auf. Kinder, die in privaten Haushalten arbeiten, werden oft wie Sklaven gehalten. Bei schlimmen Formen der Kinderarbeit wie Zwangsprostitution wird das Leben der Kinder zerstört.

  • Ist Kinderarbeit nicht verboten?

    Nach der UN-Konvention über die Rechte des Kindes hat jedes Kind ein Recht darauf, vor wirtschaftlicher Ausbeutung geschützt zu werden. Diese Konvention haben praktisch alle Staaten unterzeichnet. Eine weitere wichtige Regelung ist eine der Internationalen Arbeitsorganisation ILO gegen die schlimmsten Formen der Kinderarbeit wie Zwangsarbeit, Prostitution, Drogenhandel und der Missbrauch von Kindern als Soldaten.

  • Wieso reagieren die Verantwortlichen dann nicht?

    Weil die Ursachen von Kinderarbeit damit nicht aus der Welt geschafft werden. Mit Verboten oder Boykotten allein drängt man die Kinder in die Illegalität. Das kann dazu führen, dass letztlich die Kinder bestraft werden.

    Nicht jede Form von Arbeit ist für Heranwachsende schädlich. Viele Kinder wollen auf dem Feld oder im elterlichen Betrieb mithelfen und können dabei auch etwas lernen. Für Unicef beispielsweise ist entscheidend: Wie alt ist ein Kind? Was genau muss es machen? Wie kann sich die Arbeit auf seine Gesundheit und Entwicklung auswirken?

  • Was sind die Gründe für Kinderarbeit

    Hauptgrund ist die Armut der Familien. Kinder sind billige Arbeitskräfte, die sich nicht wehren können. und die man jederzeit wieder wegschicken kann. Viele Kinder in Afrika müssen ihre Geschwister großziehen, weil ihre Eltern an Aids gestorben sind. Ein anderer Grund sind weit entfernte Schulen und das Schulgeld. Eltern, die nicht erlebt haben, wie wichtig Bildung ist, verstehen nicht, warum sie ihre Kinder zur Schule
    schicken sollen.

  • Was kann man gegen Kinderarbeit tun?

    So manches Schnäppchen sollte hinterfragt werden. Zudem können Verbraucher einen Beitrag leisten, indem sie fair gehandelte Produkte ohne Kinderarbeit kaufen. Zudem kann man auf lokaler
    Ebene politischen Druck für ein faires kommunales Beschaffungswesen ohne Waren aus Kinderarbeit ausüben. Internationale Kinderhilfswerke setzen sich vor Ort dafür ein, dass Kinder aus ausbeuterischer Arbeit befreit werden und zur Schule gehen können.

Rund vier Millionen Kinder auf den Philippinen arbeiten, fand die internationale Arbeitsorganisation ILO heraus. Gut die Hälfte davon unter Lebensgefahr. Mülldurchsuchen gehört dazu, weil die Kinder in Abfällen mit Glas, Medikamenten, faulen Essensresten und manchmal auch Exkrementen herumstochern. Kinder arbeiten auch in Steinbrüchen, in der Landwirtschaft, auf Fischerkähnen, als Hausmädchen oder werden als Prostituierte missbraucht. Die ILO-Untersuchung ist schon zehn Jahre alt, und das Problem dürfte sich noch verschärft haben, sagt ILO-Mitarbeiter Jesus Macasil. „Die meisten Kinder werden von ihren oft arbeitslosen Eltern zum Arbeiten gedrängt“, sagt er. In der Provinz Palawan sind schon mal ILO-Mitarbeiter von wütenden Eltern fast angegriffen worden, weil sie verhindert hatten, dass Kinder zum Hochseefischen hinausfahren. In der Provinz Negros Oriental hätten Eltern fast eine Plantage abgebrannt, weil der Besitzer keine Kinder beschäftigt, sagt Macasil.

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