Kinderarbeit: Zum Überleben im Müll stochern

Kinderarbeit
Zum Überleben im Müll stochern

Am 12. Juni ist Internationaler Tag gegen Kinderarbeit, der auf die Lebensumstände von Millionen Kindern und Jugendlichen aufmerksam macht. Allein auf den Philippinen müssen mehr als vier Millionen von ihnen arbeiten.
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ManilaEs ist heiß und stickig, und von den Abgasen der stinkenden Autos bleibt einem im Slum von Tondo in der philippinischen Hauptstadt Manila fast der Atem weg. Enrico Mercado (12) und sein Bruder (17) treten trotzdem abwechselnd in die Pedale. Sie haben ein Fahrrad mit Seitenwagen. Die beiden suchen Abfallhaufen ab. Nach allem, was sich noch irgendwie zu Geld machen lassen könnte. „Ich mach' das, seit ich acht bin“, sagt der Jüngere. Er hat außer dem Bruder noch sechs weitere Geschwister. Viel kommt nicht zusammen, aber ohne das wäre die Familie aufgeschmissen. „Wir können bis 400 Pesos am Tag schaffen“, sagt er. Das sind umgerechnet 6,30 Euro. „Wir machen Halbe-Halbe. Ich gebe meiner Mutter 150 Pesos, und die restlichen 50 gehen in die Spardose, für Schulausgaben.“ Dass der Zwölfjährige überhaupt zur Schule kann, verdankt er der ERDA-Stiftung, die sich um Kinder kümmert, die mitarbeiten müssen. Der Junge ist dünn wie eine Bohnenstange. Früher sei ihm ständig schlecht geworden, sagt er. Seit zwei Jahren geht es besser. „Ich habe mich wohl an den Dreck und die Bakterien gewöhnt“, sagt er.

Rund vier Millionen Kinder auf den Philippinen arbeiten, fand die internationale Arbeitsorganisation ILO heraus. Gut die Hälfte davon unter Lebensgefahr. Mülldurchsuchen gehört dazu, weil die Kinder in Abfällen mit Glas, Medikamenten, faulen Essensresten und manchmal auch Exkrementen herumstochern. Kinder arbeiten auch in Steinbrüchen, in der Landwirtschaft, auf Fischerkähnen, als Hausmädchen oder werden als Prostituierte missbraucht. Die ILO-Untersuchung ist schon zehn Jahre alt, und das Problem dürfte sich noch verschärft haben, sagt ILO-Mitarbeiter Jesus Macasil. „Die meisten Kinder werden von ihren oft arbeitslosen Eltern zum Arbeiten gedrängt“, sagt er. In der Provinz Palawan sind schon mal ILO-Mitarbeiter von wütenden Eltern fast angegriffen worden, weil sie verhindert hatten, dass Kinder zum Hochseefischen hinausfahren. In der Provinz Negros Oriental hätten Eltern fast eine Plantage abgebrannt, weil der Besitzer keine Kinder beschäftigt, sagt Macasil.

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