Kinostart von Angry Birds
Kult-Vögel fliegen vom Smartphone auf die Leinwand

Kino-Start für Angry Birds: Die Smartphone-Vögel des finnischen Start-up Rovio wagen den Flug auf die Leinwand – um die Zukunft des Unternehmens zu sichern, oder mit ihm unterzugehen.

DüsseldorfMan begegnet ihnen überall - den Angry Birds. Auf dem Smartphone, Spielekonsolen und Computern, aber auch als Stofftier, auf Kaffeetassen und Lutsch-Bonbons. Und jetzt kommen sie sogar ins Kino. Der Filmstart ist am Donnerstag, am 12. Mai. Die Vögel sind Kult. Und genau das macht es für den Urheber Rovio Entertainment so schwer.

Der Umsatz des Start-up aus Finnland wuchs von 6,5 Millionen in 2010 auf 156 Millionen in 2012 an. Die Firma stellte fleißig Mitarbeiter ein, um die Nachfrage noch im Griff zu halten. Heute, nur vier Jahre später ist der Smartphone Gaming Markt ein hart umkämpftes Geschäftsfeld.

Die Grundversionen der Spiele müssen kostenfrei angeboten werden, sonst interessiert sich der Nutzer gar nicht erst dafür. „Die Mobile-Gaming Branche hat sich massiv gewandelt“, sagt Kati Levoranta, Vorstandschefin von Rovio, im Gespräch mit dem am Freitag erscheinenden Handelsblatt Magazin.

„Gratis-Spiele sind die Norm geworden. Mit denen Geld zu verdienen ist eine echte Herausforderung.“ Freemium nennt sich das. Man bastelt so lange an einer Gratis-Version herum, bis sie ein echter Hit wird, um dann mit kostenpflichtigen Zusatzangeboten Geld zu verdienen. Die neue Version von Angry Birds funktioniert nach diesem Modell. Doch der einst so traumhafte Umsatz schrumpft trotzdem. 2015 rutschte das Unternehmen mit 13 Millionen Verlust tief in die roten Zahlen.

Seit Januar ist Levoranta Chefin des finnischen Start Up. Ihr Vorgänger hatte es gerade mal ein Jahr im Chefsessel ausgehalten. Neben einer Reihe anderer Restrukturierungsmaßnahmen musste er 200 der 600 Mitarbeiter entlassen. Jetzt stehen die Ziele wieder auf Wachstum.

Die 45-jährige Triathletin gibt sich sportlich und angriffslustig. Um noch mal einen Coup zu landen, wie damals mit Angry Birds, beschreitet das Unternehmen parallel zwei Wege. Einen normalen und einen verrückten. Der normale Weg: Spiele erfinden, programmieren, verbreiten. Sie heißen Love Rocks, Plunder Pirates, Tiny Thief und Sky Punks. Doch der Erfolg bleibt bisher aus. Nach wie vor sind es die Angry Birds, die über 90 Prozent des Umsatzes bringen.

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Weitere Themen im neuen Handelsblatt Magazin N° 3 (Mai 2016):

  • Liu Wei im Porträt: Was Chinas Kunststar und den deutschen Mittelstand verbindet
  • Ortsbesuch beim Angry-Birds-Erfinder: Wie ein Film den abgestürzten Spieleentwickler Rovio retten soll
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    Bleibt der verrückte Weg. Die Finnen bringen die Vögel ins Kino. Selbst. Sie produzieren den Film auf eigene Kosten und eigenes Risiko. Ein 400 Mann Unternehmen, das fachfremd an einem Hollywood-Blockbuster bastelt, das ist schon ein wenig ungewöhnlich.

    Für die Computeranimationen arbeitet Rovio mit Sony Picture Imagework aus Kanada zusammen, der Vertrieb läuft über die Sony-Tocher Columbia Pictures. Der Film hat ein zehnmal höheres Budget als die bislang größte Produktion der finnischen Filmgeschichte. Wenn alles klappt, dann könnte das Unternehmen den Vogel abschießen und ein neues Wachstumsfeld als Medienunternehmen öffnen. Wenn nicht – dann kann das auch der Untergang für Rovio sein.

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