KKR, Permira, Blackstone oder TGP
„Heuschrecken“ werden immer wichtiger

Bei Übernahmen spielen die bisweilen als "Heuschrecken" kritisierten internationalen Finanzinvestoren eine immer größere Rolle. Jüngstes Beispiel: Der Verkauf von Deutschlands größtem Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1.

HB FRANKFURT. Sie heißen KKR, Permira, Blackstone oder TGP. Obwohl diese internationalen Kapitalbeteiligungsgesellschaften einer breiten Öffentlichkeit in Deutschland kaum bekannt sind, gehören die vom früheren SPD-Chef Franz Müntefering erstmals als "Heuschrecken" bezeichneten Investoren mittlerweilen zu den Hauptakteuren in der internationalen Wirtschaft. Es hat in den vergangenen Monaten kaum eine Übernahme oder eine Spekulation über einen Unternehmenskauf gegeben, bei denen nicht der Name der einen oder anderen Private-Equity-Gesellschaft gefallen ist.

Das Vorgehen der Investoren läuft meist nach folgendem Schema ab: Sie kaufen eine Firma, bauen sie um und verkaufen sie nach ein paar Jahren mit Gewinn an eine andere Gesellschaft weiter oder bringen sie an die Börse. Der Umbau verläuft teils schmerzlich und kann Arbeitsplätze kosten. Negative Schlagzeilen ernten sie dabei oft, weil ein Teil der Strategie darin besteht, in Krisenunternehmen einzusteigen. Von einem reinen Ausschlachten kann nach Ansicht von Börsenexperten aber nicht die Rede sein.

Gutes Geld lässt sich so verdienen

Und mit diesem Vorgehen lässt sich gutes Geld verdienen; jährliche Nettorenditen im zweistelligen Prozentbereich sind keine Seltenheit, wie Branchenkenner berichten. Das Kapital der Private-Equity-Gesellschaften kann beispielsweise von Privatleuten, Versicherungen oder Pensionskassen stammen. Der Hauptunterschied zu den Hedge-Fonds ist nach Angaben von Branchenexperten der Anlagehorizont. Sind es bei Hedge-Fonds Sekunden bis maximal ein Jahr, hat Private Equity meist einen Anlagezeitraum von drei bis sechs Jahren im Visier.

Der britische Finanzinvestor Permira, der jetzt gemeinsam mit KKR bei dem Bieterrennen um Pro Sieben Sat1 den Zuschlag bekommen hat, ist in Deutschland zum Beispiel beim Tiefkühlanbieter Iglo, dem Optikkonzern Rodenstock, dem Mobilfunkunternehmen Debitel und dem TV-Sender Premiere engagiert. Die US-Gesellschaft Kohlberg Kravis Roberts & Co (KKR) hält unter anderem Beteiligungen am "Grünen Punkt"-Unternehmen DSD und Auto Teile Unger. Anfang November kaufte KKR gemeinsam mit Goldman Sachs Capital Partners für vier Mrd. Euro die Gabelstaplersparte des Mischkonzerns Linde.

Berührungsängste

Sogar Werte aus der obersten deutschen Börsenliga sind mittlerweile im Visier dieser Private Equity Fonds. So war im Frühjahr die amerikanische Investment-Gesellschaft Blackstone bei der Telekom mit 4,5 Prozent eingestiegen. Trotz ihrer zunehmenden Bedeutung spielen diese Kapitalbeteiligungsgesellschaften in Deutschland aber noch längst nicht die Rolle wie etwa in den USA und Großbritannien. In den angelsächsischen Ländern gibt es nach Angaben von Branchenkennern gegenüber Private Equity weniger Berührungsängste.

Die im Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) organisierten Private-Equity-Gesellschaften sind nach eigenen Angaben hier zu Lande in über 5 700 vor allem kleinen und mittelständischen Unternehmen beteiligt. Im vergangenen Jahr beschäftigten diese Unternehmen 703 500 Mitarbeiter und erwirtschafteten einen Jahresumsatz von insgesamt 134 Mrd. Euro.

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