Kleiderordnung
Mannheimer Krawattenstreit entschieden

Wie wichtig es manchmal sein kann, auf die Kleiderordnung zu achten, hat nicht zuletzt der berüchtigte Mannheimer Krawattenstreit gezeigt. Am dortigen Amtsgericht hatte ein Richter zwei Rechtsanwälte des Saales verwiesen, weil sie keine Krawatte trugen. Er fühlte sich sozusagen auf den Schlips getreten. Die beiden Anwälte taten das, was Juristen am besten können, sie klagten.

HB MANNHEIM. Die beiden Mannheimer Rechtsanwälte wandten sich an die nächsthöhere Instanz und klagten das Recht ein, sich im Gerichtssaal auch ohne Krawatte aufhalten zu dürfen. Und sie bekamen Recht. Künftig dürfen sie auch ohne Schlips vor dem Amtsgericht in Mannheim zur Verhandlung erscheinen. Das Landgericht bekräftigte, dass Anwälte nicht grundsätzlich eine Krawatte tragen müssen, wenn sie einen Mandanten vor Gericht verteidigen. Die Zurückweisung der Juristen durch einen Richter am Amtsgericht sei rechtswidrig gewesen, urteilte die 14. Strafkammer.

Laut Kammer habe die Kleidung der Verteidiger in den Prozessen vor dem Amtsgericht die Würde des Gerichts nicht verletzt. Die Zurückweisung des Richters habe in beiden Fällen gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit verstoßen. Die Kammer stellte einen "erheblichen Eingriff in die Berufsfreiheit des Verteidigers" fest

.

Der Amtsrichter hatte sich auf eine Verordnung des baden- württembergischen Justizministeriums aus dem Jahr 1976 gestützt, wonach ein "weißes Hemd mit weißem Langbinder" zur Amtstracht von Richtern, Staatsanwälten und Amtsanwälten gehört. Einer der beiden Juristen war gleich zweimal von ein und demselben Richter aus der Verhandlung geworfen worden. In einem ersten Urteil des Landgerichts hatte der Anwalt im Januar erstmals Recht im "Krawattenstreit" bekommen.

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