Klimawandel: Der Lebensraum der Eisbären schmilzt

Klimawandel
Der Lebensraum der Eisbären schmilzt

Der weltweite Klimawandel hat Wissenschaftlern zufolge zu dramatischen Folgen für das Ökosystem in der Arktis geführt. Der Eisbär könnte in den USA schon bald auf die Liste der bedrohten Tiere gesetzt werden. Experten rechnen damit, dass die Arktis vor Ende dieses Jahrhunderts in den Sommermonaten völlig eisfrei sein wird.

HB ANCHORAGE/ALASKA. Viele Berichte über die Erderwärmung vermittelten das Gefühl, die befürchteten drastischen Folgen könnten ebenso gut auch ausbleiben, erklärte Jonathan Overpeck von der University of Arizona auf dem Alaska-Umweltforum in Anchorage. Es gebe aber in dieser Frage keine Ungewissheit, betonte der Geowissenschaftler. Untersuchungen der US-Weltraumbehörde NASA zeigten, dass das Eis der Arktis inzwischen weniger Fläche einnehme und dünner geworden sei – Entwicklungen, die bereits vor 25 Jahren vorhergesagt wurden. „Was wir nicht vorausgesagt haben, ist, dass es so dramatisch sein würde“, sagte Overpeck.

Sollte die Arktis ganz eisfrei werden, hätte das bedrohliche Auswirkungen auf die Eisbären, die nur in einer Umgebung mit Treibeis leben können. Die US- Naturschutzbehörde kündigte an, einen Antrag des Zentrums für Artenvielfalt zu prüfen und die Eisbären womöglich auf die Liste der bedrohten Tiere zu setzen. Dessen Wissenschaftler fürchten, die Eisbären könnten bis Ende des Jahrhunderts ausgestorben sein, weil ihr Lebensraum, das Packeis im Polarmeer, wegen der Erderwärmung immer weiter schmilzt. Die Naturschutzbehörde benötige vor ihrer Entscheidung noch weitere Daten zur weltweiten Bestandsentwicklung der Eisbären, sagte Sprecher Bruce Woods am Dienstag. In den kommenden zwei Monaten sollen der Behörde Daten zum Lebensraum der Tiere und zu den Auswirkungen des Klimawandels vorgelegt werden. Kassie Siegel vom Zentrum für Artenvielfalt sagte, die Bedrohung der Eisbären sei ein wichtiger Indikator dafür, dass die Erderwärmung tatsächlich zu Veränderungen in der Arktis führe.

Auch Fische, Bäume und die Pflanzenwelt der Tundra sind den Experten zufolge dann bedroht. Schon jetzt zögen Lachse deutlich weiter nach Norden. In Alaska sei außerdem das Wachstum von Bäumen zurückgegangen, erklärte Glenn Juday von der University of Alaska Fairbanks (UAF). Der Grund: Bei wärmeren Temperaturen haben die Weiß- und Schwarzfichten und Birken weniger Wasser zur Verfügung. Der Permafrost in der Arktis ist den Wissenschaftlern zufolge zwar bislang stabil, allerdings wurde in den vergangenen 20 Jahren in 20 Metern Tiefe eine Erwärmung bis zwei Grad registriert.

Sollte sich die Erwärmung fortsetzen, hätte der damit verbundene Anstieg des Meeresspiegels Auswirkungen auf die gesamte Erde, betonte Overpeck: Tiefer gelegene Regionen würden überschwemmt, darunter auch New Orleans, das nach dem verheerenden Hurrikan „Katrina“ gerade wieder aufgebaut wird. Angesichts dieser Entwicklungen könnten sich auch die USA wieder an Gesprächen zum Klimaschutz beteiligen, sagte der republikanische Senator Richard Lugar. Die Zeit sei reif für „mutige Handlungen der internationalen Gemeinschaft“, sagte Lugar am Montag vor dem Weltsicherheitsrat in New York. Seit dem Kyoto-Protokoll zur Reduzierung von Treibhausgasen 1992 habe sich viel verändert. Die USA haben das Protokoll nicht unterzeichnet, dabei sind sie das Land mit der größten Emission von Treibhausgasen.

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