Klimawandel
Riesiges Eisschelf abgebrochen

In der kanadischen Arktis hat sich ein 66 Quadratkilometer großes Stück Schelfeis vom Festland gelöst. Das ist in etwa so groß, wie das Braunkohle-Abbaugebiet Garzweiler I. Wissenschaftler sprachen von einem dramatischen und beunruhigenden Ereignis und zogen eine Verbindung zum Klimawandel. Auch das verbliebene Schelfeis ist nicht mehr wie es war.

HB TORONTO. Der Abbruch der Eismasse 800 Kilometer südlich des Nordpols ereignete sich bereits vor 16 Monaten, wurde anhand von Satellitenfotos aber erst kürzlich entdeckt. Die Erschütterungen waren so gewaltig, dass sie von Geräten zur Aufzeichnung von Erdbeben in 250 Kilometern Entfernung registriert wurden.

Wissenschaftlern zufolge war es das größte derartige Ereignis in Kanada in den vergangenen 30 Jahren. „Wir verlieren bemerkenswerte Merkmale des kanadischen Nordens, die es dort seit tausenden Jahren gibt“, erklärte der Arktis-Experte Warwick Vincent von der Laval-Universität in der Stadt Québec am Donnerstag.

Das Ayles-Eisschelf war eines von sechs, die es in der kanadischen Arktis noch gibt. Sie bestehen aus bis zu 3 000 Jahre altem Eis und schwimmen im Meer, sind aber mit dem Festland verbunden. Vincent verwies darauf, dass das verbliebene Schelfeis inzwischen 90 Prozent kleiner ist als zur Zeit seiner Entdeckung 1906.

Die Auswertung von Satellitenfotos und seismischer Daten ergab, dass das Eismassiv am 13. August 2005 abbrach. „Uns hat überrascht, wie schnell das geschah“, sagte Luke Copland von der Universität von Ottawa. „Das ist ziemlich alarmierend.“ Noch vor zehn Jahren habe man angenommen, dass der Klimawandel das Eis langsam abschmelzen lasse. Tatsächlich habe sich das Eis aber „plötzlich, innerhalb einer Stunde“ gelöst.

Das Eisschelf driftete inzwischen rund 50 Kilometer nach Westen, bevor es im Packeis festfror. Experten zufolge besteht die Gefahr, dass es in den kommenden Jahren vom Wind nach Süden in Richtung viel befahrener Schifffahrtsrouten und Ölförderanlagen getrieben wird.

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