Knallharte Stunts sind keineswegs eine Hollywood-Domäne
Der Greifreflex als Lebensretter

Als Fackel laufen, sich einhändig abseilen, Sprungangst überwinden: im Stuntman-Lehrgang ist alles relativ ungefährlich.

Zwölf Meter weiter unten, auf dem Betonboden, steht die Meute, neugierig nach oben blinzelnd. Und als ob die drohende Schmach des Kneifens nicht schon so peinlich genug wäre, hält auch noch ein Kameramann auf den rostigen Turm drauf, und ein Fotograf stellt sein Objektiv scharf. Stuntmen sind nicht eben feinfühlig, wenn es darum geht, einem die Angst vor dem eigenhändigen Abseilen aus zwölf Metern Höhe zu nehmen. „Was, wenn ich in Panik das Seil loslasse?“ „Wirst du nicht. Der Mensch hat im Moment der Todesangst einen Greifreflex. In dem Fall eben nach dem Halteseil. Da kann nichts passieren.“ Sehr beruhigend.

Oder wenig später, kurz bevor ein Gehilfe zwei Liter Benzin anzündet, die er zuvor über den Rücken des Weekend-Journal-Redakteurs ausgeleert hat: „So neunzig Sekunden Zeit hast du schon, bis es unter dem feuerfesten Anzug ungemütlich wird.“ Na dann.

Die Zeiten sind hart – besonders für alle, die etwas erleben, Angst und Grenzen überwinden wollen. Oder, um die Dinge einmal beim Namen zu nennen: für die, die montags beim Lunch den Kollegen mal etwas erzählen wollen. Bungee-Springen? Marathon laufen? Oder die Soft-Variante: „Tschakka, tschakka“ brüllen und danach über ein paar Scherben laufen?

Alles Mumpitz. Damit konnte man vor paar Jahren strunzen. Wer wirklich etwas auf sich hält, seilt sich aus 12 Metern Höhe mit einer Hand ab. Läuft als lebende Fackel durch die Gegend. Schießt mit dem MG-bestückten Auto aus „Mad Max 3“ über die Donnerkuppel und schleudert im Höllentempo an den Leitplanken entlang. Springt aus zehn Metern Höhe. Ohne Bungee-Seil, versteht sich.

Das Team der Stuntmen auf dem Gelände des Filmparks Babelsberg vor den Toren Berlins macht das jetzt möglich. Hier sind Profis am Werk, ausgebildete Stuntmen, die Hollywoods Starschauspieler beim Sprung aus Hochhäusern oder halsbrecherischen Verfolgungsjagden doubeln und jeden Tag eine Show für das Publikum vorführen.

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