Kölner Dom
Kardinal Meisner sähe Richter-Fenster in Moschee besser aufgehoben

Kardinal Meisner hat das weltberühmte von Maler Gerhard Richter entworfene neue Fenster des Kölner Doms öffentlich kritisiert. Meisner bemängelte nach Angaben des „Kölner Stadt-Anzeigers“ die „Beliebigkeit“ und Abstraktheit des neuen Fensters. Der feierlichen Einweihung des neuen Fensters war er ferngeblieben.

HB KÖLN. Für eine christliche Kirche und speziell den Kölner Dom hätte sich der Erzbischof „etwas anderes, nicht so eine Beliebigkeit“ gewünscht, sagte ein Sprecher des Erzbistums am Donnerstag. Die Kölner Zeitung „Express“ zitierte den Kardinal mit den Worten: „Das Fenster passt nicht in den Dom. Es passt eher in eine Moschee oder in ein Gebetshaus.“ Dazu sagte der Erzbistumssprecher, Meisner habe gesagt, das Richter-Fenster könne „genauso gut in einer Moschee hängen“. Das Kunstwerk war am Samstag feierlich eingeweiht worden.

Mit dem Verweis auf die Moschee habe Meisner gemeint, dass es im Islam ein ausdrückliches Bilderverbot gebe und dass das neue Dom- Fenster ohne figürliche Abbildungen daher auch in einer Moschee möglich sei. Er verstehe die Aufregung um das Thema nicht: „Über Kunst kann man streiten und der Kardinal hat eben seine eigene Meinung“, sagte Christoph Heckeley.

Das 113 Quadratmeter große Fenster, das aus kleinen bunten Quadraten in rund 80 Farbtönen besteht, war erst am Samstag bei einem Festgottesdienst enthüllt worden. Meisner war dem Gottesdienst unter Verweis auf eine Polen-Reise ferngeblieben. Ursprünglich waren als Thema für das neue Fenster Märtyrer des 20. Jahrhunderts vorgesehen, der Plan war aber fallengelassen worden. Laut „Express“ hatte Meisner den Entwurf des weltbekannten Malers Richter in erbitterten Diskussion rundherum abgelehnt. Das Domkapitel habe aber 2006 mit deutlicher Mehrheit für das moderne Fenster und damit gegen Meisner gestimmt.

Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner hatte das Richter-Fenster unmittelbar vor der Enthüllung für seinen „fast überirdischen Glanz“ gelobt und betont, es werde bislang von niemandem als Fremdkörper in der gotischen Kathedrale empfunden. Dagegen verwies Heckeley darauf, dass die Meinungen über das Glasfenster bei Bevölkerung und Besuchern „sehr weit auseinandergehen“.

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