Kölner Karneval steckt in der Krise: Retter in Hot Pants und Strumpfhose

Kölner Karneval steckt in der Krise
Retter in Hot Pants und Strumpfhose

Der Retter hat es eilig. Er trägt einen Hermelinkragen und rotweiße Hot Pants. An die rasierten Beine schmiegt sich eine weiße Strumpfhose. Es ist 0.45 Uhr, und Walter Passmann muss zum nächsten Termin. Als sich die drei Meter hohe Saaltür im Gürzenich zu Köln hinter ihm schließt, fällt das Lachen aus seinem Gesicht wie eine Hand voll Kamelle zu Boden.

KÖLN. Sein Adjutant nimmt ihm die Mütze mit den vier Pfauenfedern ab. Passmann setzt ein Schiffchen aufs verschwitzte Narrenfürstenhaupt. Dann galoppiert das Trio samt uniformierter Eskorte die Treppen runter. Auf dem Beifahrersitz eines Kleinbusses wirft sich Passmann ein Handtuch über den Kopf. Und die sechs Wagen des Prinzengefolges brausen ab zur nächsten närrischen Tat.

Den Prinzen zu geben im Kölner Karneval ist Knochenarbeit: Durch 400 Auftritte in viereinhalb Wochen hastet Seine Tollität Walter II., stets sekundiert von Seiner Deftigkeit Bauer Uli, der im weltlichen Leben auf den Namen Ulrich Döres hört, und Ihrer Lieblichkeit Jungfrau Claudia alias Claus Frohn. Das Sitzungsprogramm ähnelt einer Endlosschleife: einziehen, strahlen, winken, „bützen“ (küssen), gute Laune versprühen, grüßen, „Kölle alaaf“ rufen, Orden bekommen, Tusch, Auszug. So war es immer, so sollte es immer sein zu Köln. Und das ist ein Teil des Problems, hat Passmann erkannt.

Kölns Karneval steckt in einer Krise. Wucherpreise, Primitiv-Humor, langweilige Sitzungen und vergreistes Personal halten die Gäste ab. Wiederholt trat das „Dreigestirn“ vor halb leeren Sälen auf. Wie beim Standort D rächen sich auch im Karneval Jahre selbstzufriedener Bequemlichkeit.

Dem Boomgeschäft, es beschert der Kölner Wirtschaft pro Jahr einen Umsatz von 400 Millionen Euro, droht nach goldenen Jahren ein Abschwung, wenn es nicht gerettet wird durch neue Ideen.

Was Deutschland Schröder und Hartz sein wollen, ist dem Kölner Narrenland Walter Passmann. Seine jecke Agenda 2010 heißt zwar nicht so, und in einer Rede verkündet hat Seine Majestät sie auch nicht. Aber Passmann experimentiert mit Neuem und regt Reformen an: Der Karneval muss jünger werden, professioneller und preiswerter, lautet seine Agenda.

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