König Carl XVI. Gustaf
Schwedischer Märchenprinz wird 60

Schwedens König Carl XVI. Gustaf bereitet sich auf seinen 60.Geburtstag am letzten Tag des April vor. Der Ehemann der zweieinhalb Jahre älteren Königin Silvia galt stets als eher steif, ein bisschen verklemmt und überdies reichlich altmodisch.

HB STOCKHOLM. Die Fahrt in der offenen Kutsche durch Stockholm, ein Gala-Essen mit Royals aus ganz Europa, das vielfache „Hurra“ der Menge vor dem Schloss in Stockholms malerischer Altstadt gehören ebenso dazu wie ein privates Fest auf Schloss Drottningholm am nicht minder idyllischen Malärsee vor den Toren der Hauptstadt.Der Gastgeber umschrieb seine persönliche Form vor dem „Runden“ in einem Interview mit entspannter Selbstironie: „Es geht mir gut. Ich hoffe, ich schaffe noch eine Menge Jubiläen.“ Um dann nach kurzem Nachdenken eine kleine Breitseite auf die allgemeinen Erwartungen an einen König abzufeuern: „Im Grunde fragt mich nie jemand, wie es mir denn eigentlich geht.“

Solche eher von Unabhängigkeit zeugenden Äußerungen waren des Königs Sache nicht immer. Carl Gustaf, am 30. April 1946 um 10.20 Uhr in Stockholm als einziger Bruder von vier Töchtern des damaligen Kronprinzen Gustaf Adolf zur Welt gekommen, galt als eher schüchtern. Als der kleine Prinz neun Monate alt war, starb sein Vater bei einem Flugzeugabsturz in Kastrup bei Kopenhagen. Den Titel „Kronprinz“ erhielt Carl Gustaf 1950, als sein Großvater Gustaf VI. Adolf den Thron bestieg.

Mit diesem Titel im Gepäck saß der stets sport- und autobegeisterte Thronanwärter 1972 auf einem VIP-Platz im Münchner Olympiastadion und studierte die olympische Leichtathletik, als ihm eine deutsche Olympiahostess namens Silvia Sommerlath auffiel. Es sei Liebe auf den ersten Blick gewesen, beteuern beide bis heute, und so konnte der junge Schwede seine Auserwählte schon bald, allerdings vorerst noch diskret, in seinem Porsche Carrera in den hohen Norden mitnehmen.

1973 - knapp drei Jahre vor der Hochzeit am 19. Juni 1976 - war aus dem Kronprinzen nach dem Tod von Gustaf Adolf ein König geworden. Dass die damals alles andere als populäre schwedische Monarchie einen kräftigen Aufschwung erlebte, wird im größten Land Skandinaviens ganz überwiegend der „Zuwanderin“ zugeschrieben. Carl Gustaf dagegen galt als eher steif, ein bisschen verklemmt und überdies reichlich altmodisch. Als er 2004 den diktatorisch regierenden und besessen Ferraris sammelnden Sultan von Brunei bei einem Besuch unter Autofans als betont offenen, volksverbundenen und vorbildlichen Staatschef pries, musste seine Hofsprecherin die peinlichen Äußerungen zurechtrücken.

Bei den meisten Schweden hatte sich der König schon vorher nachhaltig unbeliebt gemacht, als er öffentlich über die vom Reichstag verfügte Gleichstellung von Frauen bei der Thronfolge maulte. Erstmals wirklich einhelliges Lob mit entsprechenden Popularitätswerten erhielt der Regent erst, als er eine sehr persönliche TV-Ansprache über die Tsunami-Katastrophe Weihnachten 2004 hielt, bei der mehr als 500 schwedische Urlauber starben. Die Reaktionen darauf hätten dem Vater von zwei Prinzessinnen und einem Prinzen sichtlich gut getan, heißt es unter Hofkennern in Stockholm.

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