Kokain im Millionenwert Internationaler Drogenring ausgehoben

Spanische Polizisten finden 400 Kilogramm Kokain in einem Segelboot. Dann kommen sie im Zuge der Ermittlungen einer großen Bande auf die Spur. Auch ein Autohändler in Deutschland spielte eine Schlüsselrolle.
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Eine Bande schmuggelte Drogen in Millionenwert auf Segelbooten nach Großbritannien. Auf einem der Boote waren 400 Kilogramm Kokain. Quelle: dpa
Mehrere Tonnen Kokain

Eine Bande schmuggelte Drogen in Millionenwert auf Segelbooten nach Großbritannien. Auf einem der Boote waren 400 Kilogramm Kokain.

(Foto: dpa)

Den Haag/ MadridVier Tonnen Kokain, 13 Millionen Euro Bargeld, 105 Kilogramm Haschisch, 18 Luxusautos und drei Boote wurden beschlagnahmt - und Dutzende Verdächtige festgenommen. Europäische Ermittler haben einen internationalen Ring von Drogenhändlern und Geldwäschern ausgehoben und Kokain im Wert von mehr als 100 Millionen Euro sichergestellt. In Spanien, Marokko und Deutschland seien insgesamt 40 Menschen festgenommen worden, teilte die europäische Polizeibehörde Europol am Freitag in Den Haag mit. Einer der Hauptverdächtigen soll ein spanischer Autohändler in Frankfurt am Main sein.

Die Bande war nach dem Stand der Ermittlungen vor allem von Spaniern geleitet worden und hatte eine Zentrale in Venezuela. Deren Anführer sei noch flüchtig. Das Kokain war von Venezuela aus per Schiff nach Spanien transportiert und dann in Europa verkauft worden. Die Millionen Euro Einnahmen waren dann wieder nach Venezuela geschmuggelt worden.

Kampf dem legalen Rausch
Kampf gegen neue Drogen
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Berichte über neue künstliche Drogen auf einschlägigen Internetseiten klingen vielversprechend. „Süßer Geschmack und psychoaktive Inhaltsstoffe zaubern ein breites Lächeln auf dein Gesicht“, heißt es dort etwa. Oder: „In dieser fantastischen Mischung wurde alles mit Liebe abgestimmt.“ Feuer und Leidenschaft erwarte die Konsumenten. Doch die Drogen sind riskant. Nun will die Bundesregierung ihnen per Gesetz beikommen. An diesem Mittwoch soll es das Bundeskabinett passieren. Ein Überblick.

Auf welche Drogen zielt der Gesetzentwurf?
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Es handelt sich um neue psychoaktive Substanzen, auch als Legal Highs bekannt. Sie werden oft als Räuchermischungen oder Badesalze in bunten Tütchen im Internet vertrieben. Manche wirken wie Amphetamin stimulierend, manche wie Cannabis beruhigend.

Wie werden die Legal Highs beworben?
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Mit klangvollen, teils schrillen Namen, angeblich gutem Geschmack - und mit dem Versprechen etwa von Wohlbefinden, Fröhlichkeit, Erregung oder Tiefenentspanntheit. Die Tütchen sind oft für nur rund 20 Euro zu haben.

Wie gefährlich sind Legal Highs?
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Nach Ansicht der Behörden können sie sehr riskant sein. 2015 seien allein in Deutschland 39 Menschen nach ihrem Konsum gestorben, sagt die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler. Die Symptome reichen von Übelkeit, Erbrechen, Herzrasen und Orientierungsverlust bis zu Lähmung, Wahnvorstellungen und Versagen der Vitalfunktionen.

Warum tat sich der Staat bisher schwer mit der Verfolgung der Drogen?
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Oft sind die Substanzen im Grundsatz seit langem bekannt und auch schon längst verboten. Doch durch molekulare Änderungen schaffen es die Drogenköche immer wieder, neue Stoffe herzustellen, die etwas anders wirken – und dann nicht mehr unter die bisherigen Verbote fallen.

Was soll nun geschehen?
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Mit dem neuen Gesetz sollen nicht mehr nur einzelne Stoffe, sondern erstmals ganze Stoffgruppen verboten werden. Das sind zum einen von 2-Phenethylamin abgeleitete Verbindungen, also mit Amphetamin verwandte Stoffe. Außerdem fallen synthetische Cannabinoide darunter, also Stoffe, die die Wirkung von Cannabis imitieren.

Was erwartet Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) von dem Gesetz?
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Endlich werde der Wettlauf zwischen dem Angebot immer neuer chemischer Varianten bekannter Stoffe und daran angepasster Verbote durchbrochen, sagt Gröhe.

An der Operation unter Leitung der spanischen Polizei waren auch Ermittler und Zollbehörden aus den USA, Deutschland, Italien und Marokko beteiligt. Europol sowie die europäische Justizbehörde Eurojust hatten die Aktion unterstützt.

Bereits 2016 hatte die spanische Polizei eine Bande entdeckt, die Drogen mit Segelbooten aus der ostspanischen Küstenstadt Denia nach Großbritannien schmuggelte. In einem Boot waren 400 Kilogramm Kokain in einem Versteck gefunden worden.

Im Zuge der Ermittlungen stießen die Fahnder auch auf das Geldwäsche-Netzwerk und die Verbindung nach Venezuela. In der Nähe von Madrid etwa versteckte ein angeblicher Möbelhändler große Mengen Geld - vor allem 200 und 500 Euro-Scheine - in Holzmöbeln, die nach Venezuela verschifft wurden. In einer Ladung hatten die Fahnder acht Millionen Euro gefunden.

In Frankfurt spielte offenbar ein Autohändler eine Schlüsselrolle bei der Geldwäsche. Er hatte nach Informationen der spanischen Polizei von Deutschland aus die Aktivitäten der Bande in der spanischen Nordafrika-Exklave Melilla geleitet. Kurz vor seiner Flucht nach Venezuela sei er in Frankfurt festgenommen worden. Dank seiner Aussagen seien 15 Verdächtige in Spanien und Marokko festgenommen worden, wie die spanische Polizei mitteilte.

  • dpa
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