Kommentare im Netz: Trotzt dem Hass!

Kommentare im Netz
Trotzt dem Hass!

Während seiner Zeit im Social-Media-Team beim Handelsblatt hat sich unser Volontär auch mit Hasskommentaren beschäftigt. Eine persönliche Abrechnung – und ein Appell an die Vernünftigen.
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DüsseldorfHeute ist mein letzter Tag, meine Zeit als Volontär in der Social-Media-Redaktion des Handelsblatts ist vorbei. Zeit für einen kurzen Rückblick – und eine Bitte an Sie, liebe Leser.

Während meiner Zeit hier kümmerte ich mich hauptsächlich um die Plattformen Facebook, Twitter, Instagram; ich postete, bearbeitete und plante dafür Beiträge, Bilder und Videos. Ich beschäftigte mich für einige Artikel mit im Netz relevanten Themen. Eine vielfältige Arbeit.

Auch auf der Website war ich jeden Tag unterwegs – ich durfte die Kommentare der Community moderieren, die unter den Artikeln eingehen. Was ich hier teilweise erleben musste, sprengte meine romantischen Vorstellungen davon, dass sachliche Diskussionen im Netz noch möglich sind.

Ja, manche Themen sind für den ein oder anderen derzeit schwer zu schlucken. Sobald aber beispielsweise die Wörter „Flüchtling“ oder „Merkel“ in einem Text fallen, fühlen sich einige User offenbar dazu angestachelt, die wildesten Verschwörungstheorien und Beleidigungen gegen Politiker oder die Redaktion abzufeuern.

Als wären sie ein Hassroboter, der immer wieder seine programmierte Missgunst abspulen muss, hören sie nicht einmal dann damit auf, wenn Beiträge gelöscht wurden – sie kommentieren einfach denselben Text noch mal, wahlweise auch zu einem gänzlich anderen Thema. Die Bezeichnung „Troll“ reicht da nicht mehr aus.

Ich kann nicht mehr zählen, wie oft ich von den Bilderbergern lesen musste, von „der manischen Merkel“, ihrem „Zuchtprogramm“ für die „Schädlinge, von denen sich so viele gerade bei uns ausbreiten wie ein Krebsgeschwür“. Gemeint sind Flüchtlinge. Für sie wünscht man sich „die finale physische Lösung“.

Widerlich, denken Sie? Es geht noch wilder – zur Veranschaulichung hier ein besonders trauriges Beispiel: User A. schrieb: „Nur der Einsatz von Waffen therapiert diese osmanischen Untermenschen.“ Untermensch – seit 1925 ein Begriff aus dem Sprachgebrauch der Nationalsozialisten für diejenigen, die nicht ihrem arischen Ideal entsprachen und deshalb verfolgt wurden.

Es wird nicht besser: User, die sich auf ein Thema eingeschossen haben, treiben sich gegenseitig zu derartigen Entgleisungen an. User B. schrieb dazu: „Man sollte das auch mal positiv sehen: Immerhin hat diese Schädlingskrise schon mal bewirkt, dass Teile der deutschen Gesellschaft nach rechts gerückt sind. Und sogar den Sachsen-Mob hat sie uns geschenkt.“ Ganz recht: Dieser Mensch nennt schutzsuchende Menschen, die vor Krieg fliehen, „Schädlinge“ und begrüßt es, wenn sie diffamiert und angegriffen werden.

Kommentare zu " Kommentare im Netz: Trotzt dem Hass!"

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  • „Solange wir nicht zu einer sachlicheren Diskussion und Meinungsäußerung zurückfinden, müssen Sie sich nicht wundern, wenn reihenweise die Online-Foren geschlossen werden.“

    Das ist leider nur die eine Seite der Medaille. Solange es Mainstream-Konsens ist, jemanden, der das einfache Übergehen von Grenzen und Unterschieden, für einen schweren Fehler hält und die Beachtung von Grenzen einfordert, allzu schnell mit polemischen Kampfbegriffen wie „Rassist“ & „Diskriminierung“ abzuqualifizieren, wird die Polarisierung nicht aufhören sondern weiter zunehmen.

    Die Wahrheit ist, dass wir uns in Richtung einer existenziellen Krise bewegen, die mindestens das Ausmaß der 30er Jahre des 20 Jhd. hat. Bei deren zivilisatorischer Bewältigung hilft weder romantisches Wegdiskutieren und Ausblenden von Unterschieden noch deren Verabsolutierung, weder die primitive Projektion seiner Ängste auf Zuwanderer noch die intellektuell ausgefeilte idealisierte Projektion von im Kern ähnlichen Ängsten auf alles was „rechts von Claudi Roth“ Anspruch auf Gehör einfordert, sondern nur ein „gesunder“ Mittelweg.

    Hass nur mit Moral bekämpfen zu wollen, zeugt davon, dass man die Ernsthaftigkeit der zugrunde liegenden existenziellen Krise und die davon ausgelösten Ängste nicht begriffen hat oder wahrhaben will und wird wie alles nur gut gemeinte genau deshalb das Gegenteil dessen bewirken, was beabsichtigt ist.

    Das Handelsblatt hebt sich mit seiner Liberalität in den Foren, auch wenn es manchmal bis zur Schmerzgrenze und darüber hinaus geht, wohltuend von den anderen Konsensmedien ab. Vielen Dank an den Autor, dass er dazu beigetragen hat.

  • Braucht man sich nicht wundern, wenn sich der von allen Seiten gequälte Deutsche wenigstens verbal wehrt. Wenn Politiker angemeldete, reguläre Demos entweder von der Polizei oder der Antifa niederknüppeln lassen, wenn sie die Leute, von deren Geld sie ihr fürstliches Leben gestalten, permanent beleidigen und bevormunden, dann sind all diese "Hasskommentare" doch eine harmlose Reaktion. Vor allem, wenn man bedenkt, was wir als Gegenleistung dafür bekommen: sexuelle Perversionen und Drogenmissbrauch, das Land mit Fremden fluten und die Last auf die Bürger ständig steigern.
    Die sog. "Antifa" und gewisse Politiker schreien "Deutschland verrecke" und "Volkstod", und dafür müssen wir sie noch bezahlen. Nein, dass sind nicht Hass- das sind Wut-Kommentare. Gnade uns allen Gott, sollten sie plötzlich aufhören. Sie sind (noch) das Ventil....

  • Herr Kommentator-Volontär!
    Ich wünsche Ihnen noch eine schöne Zeit. Schade, dass Sie nicht bis nach den Landtagswahlen beim HB geblieben sind.

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