Konsequenzen gezogen
Friedman akzeptiert Strafbefehl und tritt zurück

Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Michel Friedman, hat einen Strafbefehl wegen Kokainbesitzes angenommen und tritt als Konsequenz von allen öffentlichen Ämtern zurück. Ob er auch seine Tätigkeit als Fernsehmoderator aufgibt, ließ Friedman offen.

Reuters FRANKFURT. „Ich habe in meiner politischen und journalistischen Tätigkeit Menschen hart befragt. Auch nach ihren politischen Fehlern. Nun muss ich akzeptieren, dass dieser Maßstab - auch wenn es privat ist - an mich angelegt wird“, sagte Friedman am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Frankfurt. Mit ruhiger Stimme entschuldigte er sich zugleich bei der Öffentlichkeit und seiner Lebensgefährtin, der Fernsehmoderatorin Bärbel Schäfer, für sein Verhalten und bat um eine neue Chance. Friedmans Anwalt Eckart Hild hatte zuvor mitgeteilt, sein Mandant habe wegen Kokainbesitzes eine Geldstrafe von 17 400 € akzeptiert. Friedman gilt nun als vorbestraft.

Bei Durchsuchungen der Anwaltskanzlei und der Privaträume Friedmans in Frankfurt waren vor einigen Wochen drei Tütchen mit Resten eines Kokaingemisches beschlagnahmt worden. Die Polizei war Friedman bei Ermittlungen gegen mutmaßliche Menschenhändler aus Osteuropa, die Prostituierte vermittelt haben sollen, auf die Spur gekommen. Die Berliner Justiz erklärte, das Amtsgericht Tiergarten habe am Montag wegen Besitzes von Betäubungsmitteln in zehn Fällen einen Strafbefehl in Höhe von 150 Tagessätzen zu je 116 € erlassen.

„Ich entschuldige mich von ganzem Herzen für alles, was ich gemacht habe“, sagte Friedman. Er werde alle „öffentlichen, gewählten Ämter“ abgeben. Fragen beantwortete Friedman nach der Erklärung in der Kanzlei seines Frankfurter Anwaltes nicht. „Ich brauche noch Ruhe und Distanz, ich möchte mit meinen Freunden sprechen, nachdenken und den begonnenen Lernprozess fortsetzen“, bat er um Verständnis.

Offen ließ Friedman auch, ob er weiter als Fernsehmoderator tätig sein wird. Der Intendant des Hessischen Rundfunks (HR), Helmut Reitze, erklärte dazu, in einem Gespräch mit Friedman solle bald geklärt werden, ob er weiter für den Sender arbeiten werde. Friedman hatte beim HR und im Mantelprogramm der ARD zwei stark auf ihn zugeschnittene Talkshows moderiert, in denen er seine Studiogäste hart befragte. Nach Bekanntwerden der Drogenvorwürfe hatte er seine Tätigkeit ruhen lassen. In der Union hieß es, die CDU-Mitgliedschaft Friedmans stehe in keiner Weise in Frage. CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer sagte, der Strafbefehl wegen der Drogenvorwürfe sei eine Privatangelegenheit Friedmans. „Seine Entscheidung verdient Respekt“, fügte er hinzu. Friedman war von 1994 bis 1996 Mitglied des CDU-Bundesvorstandes. Im Juli 2000 wechselte er aus Protest gegen die Spendenaffäre der hessischen CDU in den

saarländischen Landesverband. Der Präsident des Zentralrates der Juden, Paul Spiegel, bekräftigte im ZDF, dass er in den Ermittlungen gegen seinen bisherigen Stellvertreter keine antisemitischen Tendenzen erkennen könne. Mit seinem Rücktritt habe Friedman bewiesen, „dass er die Größe hat, zu seinen Fehlern zu stehen, und Schaden von uns abzuwenden“. Der 47-Jährige habe eine zweite Chance verdient. Er sei sicher, dass Friedman die Möglichkeit eines Neuanfangs bekommen werde.

„Drogen in einer Lebenskrise, auch in meiner Lebenskrise, sind keine Hilfe. Sie täuschen und sind gefährlich. Das sage ich vor allen Dingen jungen Menschen“, sagte Friedman. Friedman entschuldigte sich auch bei der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland, die er enttäuscht habe. Er wolle alles tun, um das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen.

Auch bei seiner Lebensgefährtin Bärbel Schäfer entschuldigte sich Friedman. An die Medien appellierte er, dem Paar Ruhe zu gönnen, um wieder zusammenzufinden. „Ich möchte Sie bitten, uns dabei zu helfen, indem Sie unsere Privatsphäre wenigstens eine Zeit lang respektieren“, sagte Friedman. Zum Abschluss seiner Erklärung bat Friedman um eine zweite Chance. „Ich entschuldige mich von ganzem Herzen für alles, was ich gemacht habe. Aber ich bitte Sie, ich bitte sie genauso von vollem Herzen, nicht zu vergessen, dass das nicht mein ganzes Leben war. Dass das nicht der ganze Michel Friedman ist“.

Die Berliner Justiz wies Vorwürfe des Friedman-Anwaltes im Zusammenhang mit der Informationspolitik der Berliner Justizpressestelle zurück. Die Medien seien zu keinem Zeitpunkt aktiv über das Verfahren informiert worden, sagte der Sprecher. Auskünfte seien nur auf Anfragen erteilt worden. Der Justizsprecher sprach seinerseits von einer „unsäglichen Berichterstattung durch einige Pressevertreter“ im Fall Friedman.

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