Konstruktionsfehler vermutlich Einsturz-Ursache
Türkei: Mindestens 14 Tote bei Wohnhauseinsturz

In der türkischen Stadt Konya ist ein zehnstöckiges Gebäude eingestürzt und hat zahlreiche Bewohner unter den Trümmern begraben. Bislang konnten 28 Menschen verletzt gerettet werden.

HB INSTANBUL/KONYA. Die Behörden gaben am Dienstag nach einem Bericht des türkischen Nachrichtensenders NTV in einer ersten offiziellen Mitteilung bekannt, dass mindestens 14 Menschen getötet worden sind.

In dem Trümmerberg des Hochhauses, das „wie nach einem Erdbeben“ aus heiterem Himmel in sich zusammengefallen war, suchten am Dienstag Rettungsteams mit Spürhunden nach Überlebenden. Provinzgouverneur Ahmet Kayhan vermutete, dass „mindestens 70 Menschen“ verschüttet wurden.

Nach Angaben der Hausverwaltung wohnten in den 38 Wohnungen des Appartement-Hauses mit dem wohlklingenden Namen Zümrüt („Smaragd“) rund 140 Menschen. Wegen des islamischen Opferfestes, zu dem sich türkische Familien traditionell gegenseitig besuchen, herrschte allerdings Ungewissheit über die genaue Zahl der Menschen, die sich zur Zeit des Einsturzes am Montagabend tatsächlich in dem Gebäude aufhielten.

„Es krachte und schwankte ungefähr zehn Sekunden“, berichtete der 34-jährige Gökhan Kücükoglu, der aus Istanbul gekommen war, um seinen Vater zu besuchen. „Wir hörten Stimmen aus dem Treppenhaus, dachten an ein Erdbeben und stürzten zur Tür“. So wie Gökhan kamen vor allem Bewohner mit dem Leben davon, die sich in den oberen Etagen befanden. Im unteren Teil des Appartement-Hauses blieben nach dem Einsturz der Betonplatten kaum noch Zwischenräume zwischen Decke und Boden übrig. Aus mehreren Teilen des Landes wurden Rettungskräfte zusammengezogen, die um die Verschütteten kämpften.

Als Ursache des Unglücks wird Pfusch am Bau angenommen. „Ein Verbrechen der Stärke 7,4 auf der Richterskala“, schrieb die Zeitung „Hürriyet“, die wie andere Medien und Bauexperten Verstöße gegen Bauvorschriften und mangelhafte Kontrollen der Behörden anprangerte. „Wir haben davon gehört, dass das Haus nicht sicher sein sollte, hielten das aber für Gerüchte“, berichtete der 57-jährige Ahmet Türkoglu. „Zehn aus meiner Familie liegen unter den Trümmern.“ Kritik wurde auch am anfänglichen Durcheinander bei den Rettungsarbeiten laut. Bis zum Eintreffen der Katastrophen-Experten versuchten Anwohner und örtliche Rettungskräfte mit Händen, Schaufeln und Hämmern, zu den Verschütteten vorzudringen. „Wir halten den Atem an und können nur noch beten“, sagte der türkische Agrar- und Dorfminister Sami Güclü an der Unglücksstelle. Neue Hoffnung schöpften die Retter am Dienstag, als sie zwei kleine Mädchen und - rund 15 Stunden nach dem Einsturz - eine weitere Frau lebend aus den Trümmer herausholen konnten.

„Von tragenden Elementen keine Spur“, kritisierte der Vorsitzende der Bauingenieurskammer in Ankara, Kemal Türkaslan, die augenfälligen Baumängel. Nicht nur er fühlte sich angesichts der Schreckensbilder aus Konya an ein Schülerwohnheim im südosttürkischen Bingöl erinnert, das vor fast einem Jahr bei einem Erdbeben der Stärke 6,4 für 84 Kinder und einen Lehrer zur tödlichen Falle geworden war. Die meisten der 114 Überlebenden hatten es Betten und Schränken aus Eisen zu verdanken, dass sie von den Betonplatten nicht erschlagen wurden.

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