Kontrolle kaum möglich
Handyverbot löst heftige Diskussion aus

An bayrischen Schulen müssen Mobiltelefone nach einem Kabinettsbeschluss künftig ausgeschaltet bleiben. Das Nutzungsverbot hat bei Lehrerverbänden, Psychologen, Pädagogen und Politikern eine hitzige Debatte ausgelöst. Die Reaktionen auf die neue Vorschrift reichen von "wirkungslos" über "fragwürdig" bis "notwendig".

HB MÜNCHEN. Der Bayerische Philologenverband prophezeite eine „Wirkungslosigkeit“ der Regelung. „Das wird endlose Diskussionen provozieren, die uns nur vom Kerngeschäft des Unterrichts abhalten“, sagte Max Schmidt, der Vorsitzende des Verbands.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht nur wenig Möglichkeiten für eine Kontrolle der Handynutzung an Schulen außerhalb des Unterrichts. Die Handys seien „eine Plage“ an der Schule, es müsse ein Nutzungsverbot im Unterricht geben, sagte der GEW-Vorsitzende Ulrich Thöne am Mittwoch im ZDF. „Aber es ist auch klar, dass Sie während der Pausen (...) den Handygebrauch nicht kontrollieren können.“ „Wir müssen etwas Positives an die Stelle der Verbote setzen.“ Mit Blick auf die gefundenen Gewalt- und Pornoszenen auf Handys bayerischer Schüler sagte Thöne: „Dass das möglich ist, muss sich diese Gesellschaft insgesamt als Problem anrechnen lassen.“

Der SPD-Landtagsfraktionschef Franz Maget kritisierte, es sei bezeichnend für eine gewisse Hilflosigkeit, wenn die CSU- Staatsregierung auf gesellschaftliche Herausforderungen immer gleich mit Verboten reagiere. Das Handyverbot auch in den Pausen sei „Schwachsinn“ und „völlig daneben“. „Warum soll sich mein Sohn nicht in der Pause mit seinem Freund verabreden dürfen? Oder warum soll ein jüngerer Schüler seinen Eltern nicht per SMS mitteilen, dass die letzte Stunde ausfällt?“

Unterstützung der Initiative der Staatsregierung kam von Experten. Der Münchner Kinder- und Jugendpsychiater Prof. Franz Josef Freisleder sagte der dpa, „die Entscheidung der Staatsregierung war vielleicht überemotional, aber notwendig.“ Angesichts der bekannt gewordenen Fälle von Gewalt- und Pornovideos auf Schülerhandys sei es wichtig gewesen, „die Handbremse zu ziehen“. Die Handy-Subkultur unter Heranwachsenden drohe außer Kontrolle zu geraten. „Die Jugendlichen müssen merken, so kann es nicht weiter gehen“, sagte Freisleder. Lehrer, Eltern und Schüler müssten die Problematik zum Gesprächsthema machen. „Verbote allein helfen nicht, Eltern müssen mit ihren Kindern darüber reden“, sagte Freisleder. Es sei höchste Zeit, gegen Gewalt- und Pornodarstellungen auf Schüler-Handys einzugreifen.

Aus pädagogischer Sicht ist die Maßnahme dagegen fragwürdig. „Ein Verbot ist das simpelste Rezept, das leicht umgangen werden kann“, sagte Ekkehard Sander, Wissenschaftler am Deutschen Jugendinstitut in München und Experte für Medien bei Heranwachsenden. Gewalt- und Pornovideos auf Schüler-Handys seien ein Jugendschutzproblem. Deshalb sei statt Verboten eine „pädagogische Reaktion“ notwendig. Ein Handyverbot an Schulen mache wenig Sinn. „Das ist wie bei Tabak und Alkohol. Die sind auch in der Schule verboten, ohne dass damit die Problematik behoben wird.“

An bayerischen Schulen müssen Mobiltelefone nach einem Kabinettsbeschluss künftig ausgeschaltet bleiben. Auch in den Pausen darf das Handy nicht mehr benutzt werden. Nur wenn ein Schüler krank wird oder aus anderen dringenden Gründen telefonieren muss, kann er den Lehrer um eine Ausnahme bitten.

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