Kopfgeld wegen Flug MH 17
Detektivverband kritisiert private Ermittlung

Das Versprechen klingt gigantisch: 30 Millionen US-Dollar bietet eine deutsche Detektei für Hinweise auf die Täter rund um den Absturz der Maschine MH 17 in der Ukraine. Branchenvertreter sehen die Auslobung kritisch.
  • 2

DüsseldorfVerwunderung und Ärger. Diese Reaktionen hat der Aufruf der privaten Wirtschaftsdetektei Wifka zur Fahndung rund um den Absturz der MH 17 in der Ukraine bei Branchenvertretern ausgelöst. „In der gegenwärtig äußerst komplexen und extrem komplizierten außenpolitischen Situation im Ukraine-Konflikt, ist ein solcher Aufruf sehr kritisch zu betrachten“, sagt der Vorsitzende des Deutschen Detektivverbandes (DDV), Karl-Heinz Zönnchen, zu Handelsblatt Online. Es sei fraglich, ob hinter dem Aufruf nicht ein rechtlich äußerst bedenklicher Versuch stehe, über illegale Kanäle Informationen zu beschaffen.

Am Mittwoch hatte die Detektei Wifka eine Belohnung von 30 Millionen US-Dollar für sachdienliche Hinweise auf die Strippenzieher des Flugzeugabsturzes über dem Konfliktgebiet in der Ostukraine am 17. Juli ausgelobt. Der Absturz wurde laut der verantwortlichen Ermittler der niederländischen Staatsanwaltschaft durch Geschosse verursacht, die das Flugzeug von außen durchbohrten – alle 298 Passagiere kamen ums Leben. Die deutsche Detektei sucht nun nach Indizien für die Tatwaffe, die Hintermänner und die direkten Beteiligten des Abschusses. Der Auftraggeber und seine konkreten Interessen bleiben indes unbekannt, auch der Detektiv Josef Resch weiß nach eigenen Angaben über die Identität seiner Klienten nichts.

Verbandsvertreter Zönnchen sagt dazu: „Der Aufruf widerspricht dem grundsätzlichen Herangehen einer qualifizierten Wirtschaftsdetektei bei der Auftragsannahme und Prüfung des berechtigten Interesses.“ Ohne zu wissen, wer und welches Interesse hinter dem Aufruf stehe, könne ein Detektiv nicht seriös dafür garantieren, dass die Auslobung rechtsverbindlich erfüllt werden könne. Doch nicht nur das sieht Zönnchen als problematisch an: „Es gehört nicht zu den originären Aufgaben einer Detektei innerhalb der EU, solche Informationen zu beschaffen.“

Tatsächlich haben Experten auch die Sorge, dass die Privatdetektive die offiziellen Ermittlungen behindern oder torpedieren könnten. So sei denkbar, dass die Konfliktparteien fingierte Indizien streuen oder dass Hinweisgeber gegenüber der Staatsanwaltschaft falsche Aussagen wiederholen, um die Belohnung einstreichen zu können, wie ein Militärexperte gegenüber „Zeit Online“ anmerkte.

Seite 1:

Detektivverband kritisiert private Ermittlung

Seite 2:

Klienten erhalten teils Morddrohungen

Kommentare zu " Kopfgeld wegen Flug MH 17: Detektivverband kritisiert private Ermittlung "

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Was gibt es denn gegen eine private Initiative einzuwenden?
    Nach dem die offiziellen Ermittler sich nach 10 Wochen noch immer nicht zu konkreten Aussagen hinreissen lassen, beschleicht mich mehr und mehr der Verdacht, dass es was zu verbergen gibt. Der Absturz von MH17 hätte und fast den nächsten größeren Konflikt beschert und es gibt immer noch Menschen, die verantwortungslos weier Öl ins Feuer gießen. Ich will die Wahrheit wissen, sonst fällt diese Katastrophe der Vergesseheit anheim. Oder wieviel Schlagzeilen lset ihr noch zu MH17?

  • Nun, ein paar Leute werden sehr genau wissen wer für den Abschuss von MH 17 verantwortlich war, entweder die Separatisten oder die ukrainische Armee oder interessierte Geheimdienstkreise.

    Wenn diese beweiskräftig Indizien vorlegen, kann der verzögerte Prozess der Aufklärung, der auch eine bewußte Verschleppung sein kann, eine entsprechende Beschleunigung erfahren.

    "Beweise" können natürlich auch fingiert werden, insofern ist auf der anderen Seite eine gewisse Vorsicht und Zurückhaltung am Platz und nicht von der Hand zu weisen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%