Korruptionsvermeidung
Die Erfüllung einer besonderen Pflicht

Kein anderes Wort hat 2007 in deutschen Unternehmen so Karriere gemacht wie Compliance. Dabei geht es vor allem um Korruptionsvermeidung. Seitdem der Begriff im deutschen Corporate-Governance-Kodex steht, der Bibel der Unternehmensführung, ist nicht nur Siemens eine andere Firma geworden.

MÜNCHEN. Weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit hat der Punkt 4.3.1 des deutschen Corporate-Governance-Kodexes, der die Pflichten des Vorstands von Aktiengesellschaften behandelt, am 14. Juni 2007 eine bemerkenswerte Veränderung erfahren. Hieß es dort früher, "der Vorstand hat für die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen und der unternehmensinternen Richtlinien zu sorgen", so fügt der überarbeitete Text den Halbsatz "... und wirkt auf deren Beachtung durch die Konzernunternehmen hin (Compliance)" an. Damit hat das Wort der Saison Eingang in die Bibel deutscher Unternehmensführung gefunden.

Compliance, für die große Mehrzahl deutscher Manager war das Wort noch 2006 ein Fremdwort. Das stimmt natürlich, es ist Englisch für Befolgung, stammt vom Verb "to comply", was sich wiederum vom lateinischen complire, erfüllen, herleitet. Compliance handelt also von der Befolgung geltender Rechts- und Verhaltensnormen. Und natürlich geht es bei Compliance vor allem um Korruptionsvermeidung.

Dass das Wort Eingang in den Kodex für gute Unternehmensführung findet, hat natürlich vor allem mit Siemens zu tun. Seit Wochen hat man eine Ahnung vom Ausmaß der Schattenwirtschaft im einstigen Vorzeigekonzern, mindestens 1,3 Milliarden Euro sind in dubiose Kanäle geflossen. Auch deshalb wurde aus dem Aufsichtsratsmitglied Gerhard Cromme der Chef des Aufsichtsrats von Siemens. Auch deshalb hat es die deutsche Sprache niemand anderem als Cromme zu verdanken, dass sich das Wort Compliance nun auch im Kodex findet, der von der Kommission stammt, der Cromme den Namen gegeben hat. "Gerhard Cromme hat entscheidend darauf hingewirkt, das Stichwort Compliance im Kodex zu verankern", sagt ein Vertrauter.

"Das die Compliance jetzt als Pflichtaufgabe im Kodex steht, hat grundsätzliche Bedeutung", erklärt Peter von Blomberg, Vorstandsmitglied der Anti-Korruptionsagentur Transparency International. Mit der neuen Formulierung gehöre es zum Pflichtenkanon der Unternehmen, nicht nur formal geltendes Recht anzuerkennen, sondern auch die Achtung der Rechtsnormen im Unternehmen durchzusetzen. "Das schlechte Beispiel Siemens hat doch gezeigt, dass es vor allem an der Umsetzung mangelte. Das war eine Frage der Unternehmenskultur", sagt Blomberg.

Siemens selbst hat die Konsequenzen gezogen, mit dem Amerikaner Peter Solmssen hat Compliance in Deutschland jetzt auch ein Gesicht. Nie hatte ein Rechtsanwalt mehr Macht in einem deutschen Unternehmen, von seinem Büro in der Konzernzentrale in München aus steuert Solmssen das neue weltweite Compliance-Netzwerk von Siemens.

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