Kräuterschnaps Absinth: Die legendäre „Grüne Fee“ feiert Comeback

Kräuterschnaps Absinth
Die legendäre „Grüne Fee“ feiert Comeback

Verpönt, verboten, beliebt: die „Grüne Fee“. Baudelaire soll sich im Absinth-Rausch das Haar grün gefärbt, Van Gogh das Ohr abgeschnitten haben – um das Getränk ranken sich wilde Legenden. Nun feiert es ein Comeback.
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PontarlierJahrzehntelang war Absinth wegen seiner angeblich Halluzinationen hervorrufenden Wirkung verpönt, in Frankreich wurde der als „Grüne Fee“ bezeichnete Kräuterschnaps vor hundert Jahren sogar als Droge verboten. Doch Ende der 80er Jahre hob die französische Regierung das Destillationsverbot vom 16. März 1915 auf, und seit Mai 2011 darf die Spirituose wieder unter ihrem legendären Namen „absinthe“ verkauft werden.

Seither erlebt das skandalumwitterte Getränk, das Schriftsteller wie Ernest Hemingway und Edgar Allan Poe sowie Maler wie Paul Gauguin oder Henri de Toulouse-Lautrec zu kühnen Werken und wohl auch manchen Exzessen inspiriert haben soll, ein fulminantes Comeback.

Nach Angaben des französischen Verbandes der Spirituosen-Hersteller produzieren derzeit in Frankreich ein gutes Dutzend Brennereien jährlich rund 800.000 Liter des grünlichen Getränks, das mit Wermutspflanzen, Anis, Fenchel und anderen Kräutern destilliert wird und einen Alkoholgehalt zwischen 45 und 72 Volumenprozent hat.

„Es geht langsam voran, aber es geht voran“, bestätigt François Guy, der 1983 die Absinth-Brennerei seiner Eltern im ostfranzösischen Pontarlier übernommen hat. Seine Produktionsmenge ist von 7200 Litern im Jahr 2001 auf 30.000 Liter im vergangenen Jahr gestiegen. Und der Franzose hofft, in einigen Jahren die Schwelle von jährlich 100.000 Litern zu erreichen.

Guy kämpfte jahrelang für die Rehabilitierung des grünlichen Getränks, als dessen Heimat das nahe der Schweizer Grenze liegende Pontarlier gilt: Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in dem Städtchen 23 Destillerien mit rund 3000 Beschäftigten, die jährlich mehr als zehn Millionen Liter Absinth in die ganze Welt exportierten.

An eine solche Produktionsmenge ist heute aber nicht mehr zu denken. Denn das Misstrauen gegenüber der „Grünen Fee“ ist noch lebendig. Schließlich ist ihre wichtigste Komponente das in hoher Konzentration gefährliche Nervengift Thujon.

In vielen Köpfen habe sich der Ruf von Absinth als einem Getränk festgesetzt, das Leute verrückt macht, erläutert Fabrice Herard, der jedes Jahr in Pontarlier die Absinth-Tage „Absinthiades“ organisiert. Der „Grünen Fee“ hänge noch immer eine „mysteriöse Aura“ an.

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