Kraftwerkskatastrophe: Japaner stemmen sich gegen den GAU

Kraftwerkskatastrophe
Japaner stemmen sich gegen den GAU

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TokioDie Arbeiter am stark beschädigten Atomkraftwerk Fukushima Eins stemmen sich gegen den atomaren GAU.

Sie verstärkten am Samstag ihre Bemühungen, die Kühlung wiederherzustellen, teilte der Betreiber der vier Unglücksreaktoren nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo mit. Es werde erwartet, dass Reaktor 2 im Laufe des Tages an die Stromversorgung angeschlossen werden könne.

Ob diese Aktion Erfolg haben wird, bleibt allerdings abzuwarten. Es sei zum Beispiel noch nicht klar, ob die elektrischen Schaltstellen vom Tsunami zerstört worden seien, berichtete der Fernsehsender NHK. Zur Not müssten Teile ausgetauscht werden. Der Anlagenbetreiber Tepco braucht nach eigenen Angaben außerdem noch etwas Zeit, um die Geräte zur Kühlung des Reaktors wieder hochzufahren, da die Apparate zunächst getestet werden müssen.

Laut NHK stehen drei Aufgaben an: Die Wiederherstellung der Stromversorgung an den Reaktoren 1 und 2 sowie 3 und 4 und die Reparatur der Stromleitungen zu den Reaktoren 5 und 6. Am frühen Samstagmorgen hatten Feuerwehrleute und Militär außerdem wieder damit begonnen, Wasser auf den Block 3 zu spritzen. Die Kühlaktion dauerte 25 Minuten. 90 Tonnen seien dabei versprüht worden, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo.

Anders als in den Nachbarreaktoren lagert im Innern der Ruine von Block 3 auch das hochgefährliche Plutonium. Es wird befürchtet, dass der Wasserstand in dem Becken für Brennstäbe bedrohlich niedrig ist. NHK zeigte Luftaufnahmen von Samstagmorgen, auf denen weißer Qualm oder Wasserdampf über Reaktor 3 zu sehen war. Das könnte darauf hindeuten, dass die Kühlaktion erfolgreich war und den völlig überhitzten Kern traf. Andererseits hatte es in den Tagen zuvor auch schon weißen Rauch gegeben, bei dem kleinere und größere Brände die Ursache waren.

Ein großes Problem ist der Schutz der Arbeiter vor der radioaktiven Strahlung. Tepco erhöhte die Obergrenze auf 150 Millisievert für bestimmte Noteinsätze. Die neue Vorgabe gelte „für einige Arbeiter im Außeneinsatz, weil die aktuellen Probleme beispiellos sind und sofortige Maßnahmen erfordern“, zitierte NHK die Begründung des Energieversorgers Tepco. 150 Millisievert sind so viel, wie in Deutschland verteilt über die Spanne von 150 Jahren als gerade noch verträglich gelten würde. NHK zufolge kündigte Tepco an, keinen Arbeiter erneut in den Einsatz zu schicken, falls er zuvor mehr als 100 Millisievert ausgesetzt worden war. Die 50 Arbeiter, die bisher in dem AKW verblieben waren, hatten Verstärkung bekommen: Am Freitag waren dort etwa 120 Männer eingesetzt.

Nach dem massiven Wasserwerfereinsatz im Block drei des Atomkraftwerks Fukushima ist der Druck in der Reaktorkammer etwas gesunken, wie aus dem jüngsten Bericht der japanischen Atomsicherheitsbehörde (NISA) hervorgeht. Die japanischen Experten erhielten dabei Unterstützung aus den USA, die einen weiteren Wasserwerfer zur Verfügung stellten. In den beiden anderen Blöcken aber, die nach dem Erdbeben vor einer Woche automatisch abgeschaltet wurden, zeigen die am Samstagmorgen (Ortszeit) veröffentlichten Werte eine leicht steigende Tendenz. Die NISA gibt lediglich Zahlenwerte an und bewertet diese nicht.

Damit ruhen jetzt beim Kampf gegen den Super-GAU in Japan alle Hoffnungen auf dem Wochenende. Die Gefahr einer Kernschmelze in dem schwer beschädigten Atomkomplex Fukushima ist nach wie vor nicht gebannt. Sechs Wasserwerfer des Militärs versprühten nun schon den zweiten Tag in Folge ununterbrochen tonnenweise Meerwasser über den Reaktoren, um ein Überhitzen der Brennstäbe zu verhindern.

Ein Sarkophag um das zerstörte Atomkraftwerk Fukushima könnte Japan indes als letzte Möglichkeit vor einer massiven Strahlenverseuchung bewahren. Die Methode, die bereits 1986 in Tschernobyl eingesetzt wurde, sei ein letzter
Ausweg, teilten Ingenieure des Betreibers Tepco am Freitag mit. Derzeit werde aber alles daran gesetzt, einen Super-GAU durch die Kühlung der Reaktoren noch zu verhindern.

Dem Betreiber der Anlage, Tokyo Electric Power Co., war es bis zum Freitagabend deutscher Zeit nicht gelungen, eine neue Stromleitung an das Kühlsystem der Reaktoren anzuschließen - jetzt also soll alles am Samstag klappen. Allerdings ist nach Einschätzung von Experten unklar, ob die Pumpen des Systems überhaupt wieder in Gang gesetzt werden könnten. Überdies befürchten sie, dass elektrische Funken neue Explosionen auslösen könnten.

Die japanische Regierung zeigt sich wohl auch deshalb über die Entwicklung am Katastrophenkraftwerk Fukushima Daiichi zunehmend besorgt. "Das Kraftwerk befindet sich in einem Zustand, den wir noch nicht einschätzen können", sagte Premier Naoto Kan am Freitagabend im Fernsehen. "Die Lage erlaubt noch keinen Optimismus." Aber Japan werde die Krise mit Sicherheit überwinden.  

Das japanische Amt für Nuklearsicherheit hat die Bewertung des Unfalls zuvor auf Stufe 5 hochgestuft. Er läge damit auf einer Ebene mit der teilweisen Kernschmelze im Kraftwerk Three Miles Island in den USA 1979. Die französische Kernkraftbehörde hatte den Unfall zuvor bereits auf Stufe 6 eingeschätzt, weil die Eindämmung der Meiler versagt hat.

Während Techniker noch daran arbeiten, die fest installierten Kühlwasserpumpen vielleicht doch noch wieder in Gang zu bringen, wagen Vertreter der Betreibergesellschaft Tokyo Electric Power (Tepco) erstmals einen Ausblick auf die Szenarien danach. Notfalls ließen sich auch alle Problemreaktoren unter Sand und Beton begraben - wie einst in Tschernobyl 1986. Das sei jedoch nur eine mögliche Option und es sei noch längst nicht so weit.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist es nach Angaben der japanischen Atomaufsicht nicht nötig, die Evakuierung auszuweiten. Diese beläuft sich derzeit auf 30 Kilometer im Umkreis des AKW.

Unterdessen müssen die Einsatzkräfte weiter mit primitivsten Mitteln gegen den drohenden Super-GAU kämpfen. Mit Wasserwerfern bespritzten Soldaten am Freitag den mit hoch giftigem Plutonium bestückten Reaktor 3, um die stark erhitzten Brennstäbe zu kühlen. Trotz der hohen Strahlenbelastung wurde eine erste Notstromleitung in das AKW gezogen. Damit sollen ungeachtet der extremen Zerstörung in den Meilern an einigen Stellen die Kühlkreisläufe wieder gestartet werden.

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  • Eine Kernschmelze muss unbedingt verhindert werden, weil es dabei zu einer ungünstigen Vermischung der Metalle kommen kann. Solange sich das Graphit als "Reaktionsbremse" noch zwischen den Brennstäben befindet, kann man die Kernreaktion noch kontrollieren. Aber es benötigt zusätzlich auch Wasser zur Kühlung. Sobald aber alles zu einer Masse verschmilzt und über den kritischen Punkt kommt, ist es nicht mehr kontrollierbar und die Masse wird sich immer mehr erhitzen und anschließend in einer Explosion entladen. Siehe Tschernobyl. Das dadurch frei werdende Plutonium, wird sich überall in der Gegend verteilen und wie in Tschernobyl, große Landstriche unbewohnbar machen. Es kann auch hoch in die Athmosphäre gescheudert werden und sich über große Gebiete verteilen. Da hilft auch kein Sarkophag mehr am Reaktor. Denn das fein verteilte Plutonium in der Gegend kann man nicht mehr einsammeln. In einem dünn besiedelten Land wie der Ukraine ist das weniger schlimm, als im dicht besiedelten Japan.

  • GAU = Größter anzunehmender Unfall bei der Auslegung der Sicherheitsbarrieren
    Super-GAU = Unfall, der über den größten bei der Auslegung bedachten Unfall hinausgeht, sodass er nicht mehr im Rahmen der vorgesehenen Sicherheitsmaßnahmen beherrschbar ist.
    Beides ist in Fukushima bereits eingetreten, insofern ist auch die Überschrift des Artikels völlig irreführend.

  • Hallo Alfred_H,
    wenn sich die Lemminge die Klippen hinunterstürzen, sollte man schnell hinterher. Es muss doch wohl seinen Sinn haben.
    Oder meinen Sie lieber reich und verstrahlt, als arm und gesund.

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