Krebskranke Amerikanerin
Der geplante Tod der Brittany Maynard

Millionen Menschen klicken Brittany Maynards Youtube-Video an. Darin kündigt die 29-Jährige ihren Tod an. Die krebskranke Amerikanerin wird zum Aushängeschild der Sterbehilfe-Bewegung – und vollendet ihren Plan.
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PortlandMit 29 Jahren wollte Brittany Maynard nicht ihr Sterben, sondern ihr Leben planen. Mit ihrem Mann Dan Diaz wünscht sie sich Kinder. Im September 2012 hatte die brünette Kalifornierin ihrer großen Liebe auf einem Weingut das Jawort gegeben. Doch schon kurz nach der Hochzeit kommen die ersten Beschwerden. Starke Kopfschmerzen sind die Vorboten eines Gehirntumors.

Im Januar 2014 erhält sie die tödliche Diagnose. Die Ärzte operieren und geben ihr zunächst drei bis zehn Jahre. Doch der Tumor kommt noch aggressiver zurück. Ihre Lebenserwartung sinkt auf wenige Monate.

Maynard nimmt ihr Schicksal nicht stumm in Kauf. Im Gegenteil. Als kämpferische Verfechterin der Sterbehilfe macht sie mit einem freimütigen Bekenntnis weltweit Schlagzeilen. Statt dass der Tumor sie qualvoll tötet, will sie ihren Tod in die eigene Hand nehmen. Sie plant ihr Sterben im Detail. Maynard wählt den 1. November. Ende Oktober will sie noch den Geburtstag ihres Mannes erleben.

Von ihrem Heimatstaat Kalifornien zieht sie mit ihrer Familie nach Portland im Nachbarstaat Oregon um. Es ist einer von fünf US-Bundesstaaten, in denen die Sterbehilfe erlaubt ist. In Oregon trat der sogenannte Death with Dignity Act (Gesetz für ein Sterben in Würde) auf Drängen der Wähler bereits 1997 in Kraft.

Im Oktober stellt Maynard ihr erstes Video ins Netz. Ihr Gesicht ist von den starken Krebsmedikamenten sichtlich geschwollen. Sie wischt sich Tränen aus den Augen, doch ihre Stimme ist ruhig und entschlossen. Mehr als elf Millionen Menschen schauen sich das Video an. Sie wolle in ihrem Ehebett sterben, mit ihrem Mann und ihrer engsten Familie an der Seite, erzählt Maynard. Dazu soll leise Musik spielen, wenn sie ein tödliches Betäubungsmittel schluckt.

Ihr Fall wird in den Nachrichten, in Talkshows und in der Öffentlichkeit diskutiert. „Ihr Schicksal berührt viele Menschen, sie ist so jung und dennoch unglaublich entschlossen, etwas zu bewirken“, sagt Gwen Fitzgerald, Sprecherin der Sterbehilfe-Organisation Compassion & Choices. Maynard arbeitet eng mit der Organisation zusammen. Die Medikamente hat sie bei sich zu Hause in einer kleinen Tasche parat, wie sie in dem sechsminütigen Video zeigt. Sie wünsche sich eine Welt, in der jeder in Würde sterben könne.

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29-Jährige erfüllt sich noch einen großen Wunsch

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