Kreuzfahrt-Katastrophe: Schettino beschuldigt Steuermann

Kreuzfahrt-Katastrophe
Schettino beschuldigt Steuermann

Das Gedenken an die Toten des „Costa Concordia“-Unglücks vor einem Jahr hat der angeklagte Ex-Kapitän für eine neue Beschuldigung genutzt. Demnach hat sein damaliger Steuermann ihn beim Manöver falsch verstanden.
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Giglio/RomNeue Schuldzuweisungen von Unglückskapitän Francesco Schettino haben die Trauerfeier für die Opfer der Kreuzfahrt-Katastrophe vor einem Jahr überschattet. Während Überlebende und Angehörige am Sonntag der 32 Toten gedachten, beschuldigte der Kommandant der havarierten „Costa Concordia“ seinen indonesischen Steuermann. „Wenn der Steuermann alles richtig verstanden hätte, wäre das Schiff (an der Insel) vorbeigefahren, ohne dass etwas passiert wäre“, sagte Schettino in einem Fernseh-Interview laut der italienischen Nachrichtenagentur Ansa.

Vor genau einem Jahr hatte die „Costa Concordia“ einen Felsen vor der Insel Giglio gerammt und war gekentert. Dem „Capitano Dilettante“ - dem dilettantischen Kapitän, wie italienische Medien Schettino nennen - wird vorgeworfen, aus Leichtsinn viel zu nah an der felsigen Küste der Insel vorbeigefahren zu sein.

Die Angehörigen gedachten der Opfer in einer bewegenden Zeremonie. Direkt an der Unglücksstelle wurde ein Felsen mit einer Gedenktafel ins Meer gelassen. Danach beteten die Familien bei einem tränenreichen Gottesdienst für die Toten. „Gib den Opfern, die ihr Leben verloren haben, Frieden“, hieß es in den Fürbitten. Auch die heftigen Vorwürfe gegen Kapitän Francesco Schettino wurden wieder laut. Vor der Insel ragt noch immer der 290-Meter-Koloss aus dem Wasser. Seine Bergung soll viel teurer werden als zunächst erwartet.

Die Öffentlichkeit war von der Messe in der Kirche Santi Lorenzo e Mamiliano ausgeschlossen. Der Gottesdienst wurde aber auf eine große Leinwand im Hafen übertragen. Bischof Guglielmo Borghetti dankte den Bewohnern von Giglio, die in der Unglücksnacht zum Hafen geeilt waren, um den mehr als 4000 Schiffbrüchigen zu helfen. Einige hatten sich nur durch den Sprung ins eiskalte Wasser retten können. In der Kirche hatten damals viele von ihnen Zuflucht gefunden.

Künftig sollen auf der toskanischen Insel Gedenktafeln an die Opfer erinnern, unter ihnen waren auch zwölf Deutsche. Auf goldenem Untergrund sind die Namen der 32 Toten und der Umriss einer Muschel eingraviert. „Die Spirale der Muschel ist wie das Leben“, sagte der Künstler Cesare Scarfo'. „Man weiß nicht, wo es anfängt, und man weiß nicht, wo es aufhört.“ Einige Angehörige pausten mit Bleistift und Papier die Namen ihrer Verwandten und Freunde ab. Eine weitere Plakette erinnert an die Hilfsbereitschaft der Inselbewohner.

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