Kreuzweg-Abschluss in Rom

Papst verurteilt vor Zehntausenden Kindesmissbrauch durch Priester

Zum Abschluss des Kreuzwegs spricht Papst Franziskus in Rom ein heikles Thema an: Kindesmissbrauch durch katholische Geistliche. Vor Tausenden Gläubigen geißelt er Priester, die „Unschuldigen ihre Würde“ raubten.
In Rom kritisierte Franziskus in dem Zusammenhang die „Unentschlossenheit und Gefühllosigkeit Europas“. Quelle: dpa
Worte zur Flüchtlingspolitik

In Rom kritisierte Franziskus in dem Zusammenhang die „Unentschlossenheit und Gefühllosigkeit Europas“.

(Foto: dpa)

RomPapst Franziskus hat Kindesmissbrauch durch katholische Geistliche scharf verurteilt. Priester, die sich an Kindern vergingen, raubten „Unschuldigen ihre Würde“, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Freitagabend vor zehntausenden Gläubigen zum Abschluss des Kreuzwegs in Rom. Der Mailänder Erzbischof suspendierte unterdessen einen Priester, der Sex mit einem minderjährigen Prostituierten gehabt haben soll.

Erzbischof Angelo Scola supsendierte den 46-jährigen Priester Paolo Lesmo von sämtlichen Funktionen, wie das Mailänder Erzbistum am Samstag bekanntgab. Die Staatsanwaltschaft in der norditalienischen Stadt beschuldigt Lesmo, bezahlten Sex mit einem Minderjährigen gehabt zu haben, der sich von dem Geld Kokain kaufte.

Einer Mitteilung des Erzbistums zufolge hatte die Polizei den Priester bereits seit 2013 im Verdacht. Darüber seien die Vorgesetzten erst jetzt informiert worden. In Italien wird katholischen Geistlichen immer wieder vorgeworfen, Pädophilie-Beschuldigungen zu verschleiern.

Neben dem Missbrauchsproblem ging Papst Franziskus in seiner Karfreitagspredigt im Kolosseum auf die Flüchtlingskrise ein und kritisierte in dem Zusammenhang die „Unentschlossenheit und Gefühllosigkeit Europas“. Das Mittelmeer und die Ägäis seien zu immer voller werdenden „Friedhöfen“ geworden, sagte der Papst und verurteilte unter anderem die Schließung der Grenzen angesichts des Flüchtlingsandrangs.

Auf ein Gespräch mit Franziskus
Sie kommt
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Bundeskanzlerin Angela Merkel ist am Samstagmorgen im Vatikan erschienen: Papst Franziskus empfing die deutsche Regierungschefin dort zu einer Privataudienz. Nach dem rund 40 Minuten langen Audienz sagte Merkel: „Ich hatte die Freude, Papst Franziskus die Agenda der deutschen G7-Präsidentschaft vorzustellen.“

Guten Tag
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Papst Franziskus (l.) und Merkel schüttelten sich zur Begrüßung förmlich die Hände. Sie habe mit dem Papst auch über Frieden und kriegerische Auseinandersetzungen in der Ukraine gesprochen, sagte Merkel.

Er wartet schon
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Papst Franziskus wartete in Begleitung der Schweizer Garde auf die deutsche Kanzlerin. Zu den Themen des Gesprächs mit Merkel gehörten unter anderem Armutsbekämpfung mit dem Schwerpunkt Gesundheit. Auf der Agenda standen aber auch Themen wie die Rolle der Frau in Entwicklungsländern und Gleichberechtigung.

Im Gespräch
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Der Vatikan erklärte, bei dem Gespräch sei es auch um die Verpflichtung gegangen, „eine friedliche Lösung des Konfliktes in der Ukraine zu erreichen“. „Natürlich hat es mich gefreut, dass diese Agenda, die wir in den Mittelpunkt stellen, auch die Themen umfasst, die für Papst Franziskus und die katholische Kirche von Bedeutung sind“, sagte Merkel nach dem Treffen.

Man kennt sich
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Merkel (l.) und Papst Franziskus liefen auch durch eine Bibliothek des Vatikans. „Wie nicht anders zu erwarten, war es ein sehr bereicherndes Gespräch“, sagte die Kanzlerin.

Das zweite Mal
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Papst Franziskus (l.) und Merkel waren sich schon zuvor zwei Mal begegnet. Die protestantische CDU-Kanzlerin hatte am Samstag ihre zwei Privataudienz bei Papst Franziskus, hatte ihm zuvor aber schon bei seiner Amtseinführung im März 2013 kurz getroffen.

Rundgang
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Nach dem Treffen mit dem Papst wird Merkel ein Gespräch mit dem Kardinalstaatssekretär, Pietro Parolin, führen. Danach folgt ein Empfang im katholischen Kloster Sant'Egidio in Rom, zu dem die deutsche Botschafterin beim Heiligen Stuhl, Merkels Parteikollegin Annette Schavan, geladen hat.

Zuvor hatte Franziskus im Kolosseum in Rom den traditionellen Kreuzweg geleitet. Dabei trug der 79-Jährige das Kreuz nicht selbst. Er saß vielmehr unter einem roten Baldachin und lauschte versunken den Meditationen.

Der Kreuzweg soll das Leid Jesu von seiner Verurteilung zum Tode bis zur Kreuzigung symbolisch nachzeichnen. Die Meditationen für die 14 Stationen des Kreuzwegs wurden in diesem Jahr vom italienischen Erzbischof von Perugia, Kardinal Gualtiero Bassetti, verfasst.

Bassetti prangerte unter anderem das Leid der Flüchtlinge in aller Welt, von sexuell missbrauchten Kindern sowie ausgebeuteten Frauen an. Zugleich erinnerte er auch an die Tötung der Juden durch die Nationalsozialisten.

Die Zeremonie im Kolosseum wurde von einem massiven Polizeiaufgebot gesichert. Sie ist einer der jährlichen Höhepunkte der Osterfeierlichkeiten des Vatikan. In der traditionellen Gründonnerstagsmesse hatte der Papst am Vortag zwölf Menschen in einer Asylbewerberunterkunft nahe Rom die Füße gewaschen.

Am Samstagabend sollte Franziskus die Osternachtsliturgie im Petersdom leiten, am Sonntag wird er auf dem Petersplatz die Ostermesse halten und seinen Segen „Urbi et Orbi“ (Der Stadt und dem Erdkreis) spenden.

  • afp
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