Kriminalität
Sechs Italiener in Duisburg erschossen

Ein Verbrechen, das an eine Hinrichtung erinnert: In der Duisburger Innenstadt sind in der Nacht zum Mittwoch sechs Italiener in ihren Autos mit Kopfschüssen getötet worden. Die Hoffnungen der Polizei liegen jetzt auf der Überwachungstechnik eines nahe gelegenen Bürogebäudes.

HB DUISBURG. Die Opfer - allesamt Männer im Alter zwischen 16 und 39 Jahren - wurden nach Angaben der Polizei nahe des Duisburger Hauptbahnhofes vor einem italienischen Spezialitäten-Restaurent in zwei Autos sitzend oder davor liegend entdeckt. Zuvor habe eine Passantin am frühen Morgen die Polizei über Schüsse informiert, sagte ein Sprecher.

Fünf der Männer waren den Angaben zufolge beim Eintreffen der Polizei schon tot, das sechste Opfer erlag auf dem Weg ins Krankenhaus seinen Verletzungen. Nach Aussage des Sprechers wiesen alle Toten Schusswunden am Kopf auf. Zu den Hintergründen des Verbrechens konnte die Polizei zunächst keine Angaben machen, sie seien noch völlig offen. Auch ob ein Zusammenhang zwischen der Tat und dem Restaurent bestehe, sei offen. Hinweise auf Täter gebe es bislang nicht.

Die Opfer seien wohl in den Autos - einem VW Golf und einem kleinen Lieferwagen der Marke Opel mit Kennzeichen aus Duisburg beziehungsweise Pforzheim - erschossen worden. „Es muss sich um mehr als einen Täter gehandelt haben“, sagte ein Polizeisprecher. „Es ist oft geschossen worden.“ Die Opfer selbst seien unbewaffnet gewesen.

Aufschlüsse über den Tathergang erhofft sich die Polizei durch die Auswertung von Video-Filmen, die an einem in der Nähe des Tatorts gelegenen Bürogebäude installierte Kameras aufgezeichnet hatten. Nach Angaben der Polizei wurden zwei Männer in der Nähe des Tatorts gesehen. Ob diese Unbekannten etwas mit den Schüssen zu tun hatten oder auf den Videos zu sehen sind, ist nicht bekannt.

Der Tatort wurde weiträumig abgesperrt. Augenzeugen berichteten, mit weißen Anzügen bekleidete Spezialisten der Spurensicherung durchkämmten das zwischen dem Restaurant und einem Bürogebäude gelegene Gelände nach Hinweisen. Zudem suchte die Polizei Zeugen.

Der Hintergrund der Tat war zunächst völlig unklar. Fünf Leichen wurden in zwei Fahrzeugen gefunden. Ein sechster Mann erlag im Notarztwagen seinen Schussverletzungen. Der Sprecher betonte, es gebe bislang keine Hinweise auf die Täter. In Polizeikreisen hieß es, ermittelt werde in alle Richtungen, vom Bandenkrieg über Drogenhandel bis zur Beziehungstat. Die Tat ereignete sich offenbar kurz nach 02.00 Uhr morgens direkt neben einem Bürohochhaus in der Mülheimer Straße. „Eine Fußgängerin hat die Schüsse gehört und einen Streifenwagen angehalten, der zufällig in der Gegend war“, sagte Polizeisprecher Pape. Die Beamten entdeckten daraufhin gegen 02.30 Uhr die beiden Autos mit den Toten. Bei dem einen Fahrzeug handelte es sich den Angaben zufolge um einen dunklen VW Golf mit Pforzheimer Kennzeichen, in dem vier der Opfer gefunden wurden. Zwei weitere Opfer saßen in einem weißen Kleinlieferwagen aus Duisburg. Beide Fahrzeuge waren in dem engen Durchlass zwischen dem Klöckner-Hochhause und anderen Bürogebäude miteinander kollidiert - ob vor oder im Verlauf der Ereignisse, stand zunächst nicht fest. Zwei weitere bisher unbekannte Männer seien in der Nähe des Tatorts gesehen worden, berichtete die Polizei. Zwtl: „Das wird ein schwieriges Stück Arbeit“ Die Polizei sperrte sofort nach der Entdeckung der Leichen den Tatort ab und begann mit der Spurensicherung. Man versuche, jede Spur zu sichern, auch wenn dies durch Regen erschwert werde, sagte Polizeisprecher Hermann-Josef Helmich. Am Morgen wurden die ersten Leichen mit Leichenwagen abtransportiert. Dabei schützen Rote-Kreuz-Helfer die Leichen mit hochgehaltenen Decken vor den Objektiven der Fotografen. Mehr als 50 Polizeibeamte waren am Mittwochmorgen mit der Aufklärung des Falles beschäftigt. „Wir haben eine sehr unübersichtliche Situation und keine Täterbeschreibung. Das wird ein schwieriges Stück Arbeit“, sagte Hellmich. Hinweise auf die Täter erhoffte sich die Polizei unter anderem von der Auswertung von Videoaufzeichnungen der Überwachungskameras, die die Umgebung des Klöckner-Hochhauses kontrollieren. Auch die Anwohner sollten noch befragt werden. Doch sind die Aussichten auf weitere Zeugenaussagen wohl eher gering. Denn die Tat verlief offenbar erstaunlich ruhig. Die Augenzeugin hatte der Polizei berichtet, sie habe eine Knall gehört und danach ein Geräusch wie von vielen kleinen Silvesterknallern. An Schüsse habe sie gar nicht gedacht. Eine Anwohnerin wunderte sich: „Die Schüsse hätte ich eigentlich hören müssen, schließlich war ich um die Zeit noch wach. Aber gehört habe ich nichts.“ Auch andere Anwohner berichteten, sie seien erst durch den Polizeieinsatz auf die Ereignisse aufmerksam geworden. Der Tatort liegt nur 100 Meter vom Hauptbahnhof entfernt, direkt neben dem „Klöckner-Hochhaus“, einem der Wahrzeichen der Ruhrgebietsstadt, in einem Verbindungsweg zwischen zwei Bürogebäuden.

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