Kristallwaren aus Niederbayern
Heilig’s Becherle

In der niederbayerischen Glasbläserei Theresienthal werden Kristallwaren von Weltruf hergestellt. Ein Kelch steht sogar im Vatikan - und das ist ein Wunder.

Die lange Geschichte könnte man kurz erzählen: Russische Zaren und französische Könige kauften einst Glas aus einer deutschen Manufaktur mit einer Tradition, die bis ins Jahr 1421 zurückreicht. Dann kam der Strukturwandel und die Billigkonkurrenz. 2001 schließlich Insolvenz, Ofen aus, Globalisierung frisst Handwerk. Vielleicht wäre es dabei geblieben, und die Kristallglasmanufaktur Theresienthal hätte in den Arbeitslosen- und Firmenpleiten-Statistiken eine unbeachtete Ruhestätte gefunden. Und nur einzelne Sammlerstücke auf Ebay hätten den alten Glanz noch lebendig gehalten.

Doch dann erhob die Eberhard-von-Kuehnheim-Stiftung die Glashütte zum Pilotprojekt: Man wollte zeigen, dass man mit entsprechender Initiative Arbeitsplätze erhalten und etwas für den Standort Deutschland tun kann. Viele Menschen - die Mitarbeiter, Berater, Rechtsanwälte, Manager bis hin zu Designberatern - holten den insolventen Betrieb zurück ins Leben. Und das ist eine längere Geschichte, die man entweder nachlesen (Ch. Glaser, D. Wessely: "Unternehmen statt unterlassen". Von der ungewöhnlichen Rettung eines Traditionsbetriebs, Econ-Verlag) oder als Film sehen kann ("Die Unzerbrechlichen", seit Januar in wenigen Programmkinos). Vor allem aber kann man das Ergebnis wieder in Geschäften bestaunen.

Die S-Klasse der Theresienthaler sind die Meistergläser. Sie sind so kompliziert, dass manche nur vom "Altmeister" Michael Jungwirt geblasen werden können. Wie der Weinrömer mit graviertem Papstwappen, der im vergangenen Jahr Papst Benedikt XVI. überreicht wurde. Wahlweise kann man sich den Pokal auch mit dem eigenen Familienwappen schmücken lassen. Oder gleich Trinkgefäße in individuellen Formen anfertigen lassen. Dazu werden dann eigens Holzformen geschnitzt und die Gläser darin eingeblasen. Dass ein Großteil der Techniken auch über die schwierigen Jahre erhalten blieb, ist ein kleines Phänomen. Und dass die Besonderheit der Gläser heute wieder in Tokio, Paris und Moskau Freunde findet, ein größeres Wunder der Globalisierung.

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