Kritik an Regierung wächst Griechenland kämpft gegen das Feuer

Die verheerende Feuersbrunst in Griechenland wütet unvermindert weiter. In vielen Regionen des Landes fühlen sich die Betroffenen von der Politik allein gelassen. Zwei Wochen vor den Parlamentswahlen muss sich die Regierung unter Ministerpräsident Kostas Karamanlis schlechtes Krisenmanagement vorwerfen lassen.
Griechenland kämpft gegen verheerende Waldbrände. Foto: dpa

Griechenland kämpft gegen verheerende Waldbrände. Foto: dpa

HB ATHEN. Nach offiziellen Angaben sind seit Ausbruch des ersten Großbrands am vergangenen Freitag mindestens 63 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 3 000 Menschen sind obdachlos. Mindestens vier Großbrände und dutzende kleinere loderten auf der Halbinsel Peloponnes nahe Olympia im Westen, Kalamata im Südwesten und Sparta im Südosten. Weitere Feuer wüteten auf der zweitgrößten griechischen Insel Euböa. Starke Winde verhinderten am Montag erneut den Einsatz von Löschflugzeugen. Nach Medienberichten ist es die größte Umweltkatastrophe seit Menschengedenken in Griechenland. Verlässliche Angaben zum Ausmaß der Schäden gab es am Montag nicht.

In Athen brach am Montagnachmittag ein kleiner Brand am Fuße des Berges Hymettus aus, der aber schnell gelöscht werden konnte. Die Hügel und Berge Athens sowie der nordgriechischen Hafenstadt Thessaloniki dürfen nun nicht mehr betreten werden. Polizei und Militär sperren alle Zugangsstraßen. Dies gilt sogar für den touristischen Hügel Lykabettus, von dem aus Besucher die ganze Stadt sehen können. Auch Parkanlagen wurden gesperrt.

Überall im Land wurden am Montag Brandstifter gemeldet. Mindestens 100 Personen wurden vorübergehend von der Polizei festgenommen, weil es Hinweise von Bürgern gab, sie hätten Brände gelegt. Angeklagt wurden bislang sieben Menschen. In den meisten Fällen wurde ihnen fahrlässige und nicht vorsätzliche Brandstiftung vorgeworfen. Die Regierung hatte am Vortag eine Belohnung von 100 000 bis eine Million Euro für Hinweise auf Brandstifter ausgesetzt.

Inzwischen sind fünf Löschflugzeuge aus Frankreich, eines aus Italien sowie mehr als 100 Feuerwehrleute aus Frankreich, Zypern und Israel im Katastrophengebiet eingetroffen und kämpfen gegen die Flammen. Am Abend wurden auch drei Hubschrauber aus Deutschland sowie einer aus der Schweiz erwartet. Auch andere europäische Länder wie Schweden, Finnland und Bulgarien boten an, mit Feuerwehrmännern und Löschhubschraubern helfen zu wollen. „Der Kampf geht weiter“, sagte der griechische Minister für Öffentliche Ordnung, Vyron Polydoras.

In den betroffenen Regionen wuchs unterdessen die Wut der Einwohner. „Alle haben uns im Stich gelassen. Die Regierung ist unfähig, uns zu schützen. Die Organisation der Lösch- und Evakuierungsarbeiten war miserabel. Chaos und Schande“, schrie ein aufgebrachter Mann aus der Ortschaft Artemida auf Westpeloponnes in die Mikrofone. Allein in seinem Dorf hatten am Samstag 14 Menschen ihr Leben verloren. Der Staat habe nicht funktioniert, schrieb die Zeitung „Ta Nea“. „Unfähig“, titelte die linksliberale „Eleftherotypia“.

Die griechische Luftwaffe musste am Montag zwei Mal eingreifen, um eingeschlossene Menschen aus Dörfern im Hinterland von Olympia mit Hubschraubern zu retten. Die Menschen berichteten, alles in ihren Dörfern sei zerstört. Brennende Wildtiere flüchteten aus den Wäldern und verendeten qualvoll auf den Straßen. „Es ist ein Inferno. Es ist ein Alptraum. Ich finde keine Worte mehr“, sagte ein aus dem Dorf Frixa evakuierter Mann.

Zahlreiche Familien verloren ihre Existenz: Oliven- und Zitrusbäume wurden ein Opfer der Flammen, Schafe und Ziegen verbrannten. In der Provinzhauptstadt Pyrgos und der am schwersten getroffenen Stadt Zacháro wurden Zelte für Obdachlose aufgestellt. Viele Menschen kamen bei Verwandten unter. Rotes Kreuz und Militär verteilten Essen.

Die Regierung unter Ministerpräsident Kostas Karamanlis beschuldigte politische Aktivisten und Terroristen, einige Brände vor allem im Raum Athen gelegt zu haben. In der Nacht zum Montag patrouillierten Soldaten und Polizisten auf den Bergen und Hügeln rund um die Hauptstadt. An mindestens drei Stellen fanden sie Brandsätze. Vermutet wird zudem, dass viele der Brände von kriminellen Bodenspekulanten gelegt wurden. Sie errichten auf den verbrannten Flächen Häuser, die später von den Kommunen häufig legalisiert werden.

Die Politik versagt nach Ansicht des Leiters des Zentrums für Globale Feuerüberwachung an der Uni Freiburg, Johann G. Goldammer, häufig beim Schutz des Waldes. Oft werde auch nicht genügend getan, um die Öffentlichkeit aufzuklären. Waldschutz stehe in den meisten Ländern Süd- und Südosteuropas ganz unten auf der Tagesordnung der Regierungen. Am 16. September soll in Griechenland ein neues Parlament gewählt werden. Die Zeitung „Kathimerini“ schrieb auf ihrer Internetseite, niemand könne einschätzten, wie die Wähler nach diesen „apokalyptischen Bildern“ reagieren werden.

Auch in anderen mitteleuropäischen Ländern loderten die Flammen. In Bulgarien kam bei einem Flächenbrand ein älteres Ehepaar ums Leben. In Italien breiteten sich bei Temperaturen von bis zu 40 Grad vor allem im Süden Waldbrände aus. Besonders schlimm betroffen war die Insel Ponza im Tyrrhenischen Meer unweit von Rom. Mehrere Häuser und ein Hotel mussten evakuiert werden, rund 600 Menschen harrten stundenlang am Hafen aus. Die meisten Brände seien absichtlich gelegt worden, hieß es.

Urlauber können trotz der Brände in der Regel nicht von gebuchten Reisen zurücktreten. „Wenn nicht gerade Rauchschwaden über das Urlaubsgebiet ziehen, gibt es keine Möglichkeit einer Stornierung“, sagte Ronald Schmid, Professor für Reiserecht an der Technischen Universität Dresden. Kostenlose Umbuchungen seien in der Regel erst möglich, wenn die Beweglichkeit in der Ferienregion stark eingeschränkt oder die Versorgung mit Lebensmitteln nicht gewährleistet sei. Die großen Veranstalter gaben am Montag an, zunächst keine Stornierungen oder Umbuchungen anbieten zu wollen.

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