Kritik an US-Bischof
Mach mir den Tebartz-van Elst

Ein US-Bischof steht öffentlich unter Beschuss, nachdem er sich für 2,2 Millionen Dollar ein neues Domizil gebaut hat. Der Fall erinnert stark an Tebartz-van Elst. Hat die katholische Kirche ein Dekadenzproblem?
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San FranciscoLimburg ist überall: Der Erzbischof von Atlanta hat sich öffentlich für den Neubau eines Bischofsitzes für insgesamt 2,2 Millionen Dollar entschuldigt. Auf der Webseite der Kirche äußerte Wilton Gregory Verständnis für die Kritik an dem Projekt, zu dem noch der Umbau der bisherigen Residenz zu einem Wohnsitz für Priester dazukommt.

„Während ich und meine Berater“, so der Bischof auf der Webseite „The Georgian Bulletin“, „das Projekt finanziell, logistisch und aus praktischen Gründen für gerechtfertigt hielten, bin ich enttäuscht, dass ich persönlich versagt habe, die Kosten für meine persönliche Integrität und meine Glaubwürdigkeit gegenüber den Gläubigen von Nord- und Zentral-Georgia zu verstehen.“

Er habe nicht daran gedacht, was das für eine Wirkung auf die Familien der Diözese  habe, die Jahr für Jahr weiter für die Kirche spendeten, obwohl viele „ihre Hypotheken, Schulgebühren und Stromrechnungen kaum noch zahlen können“. 

Anders als in Deutschland, wo es eine Kirchensteuer gibt, finanzieren sich amerikanische Kirchen ausschließlich über Spenden. Er werde, so der Bischof, die Angelegenheit mit den Kirchengremien diskutieren und wenn man der Meinung sei, das 595-Quardatmeter große Anwesen solle verkauft werden, dann werde das auch geschehen. Das Gebäude ist Eigentum der Kirche und als Dienstsitz für „den Bischof und seine Nachfolger“ gedacht, betont Kieran Quinn, Finanzchef der Erzdiözese Atlanta.

Möglich geworden war der Immobiliendeal durch eine Spende in Höhe von 15 Millionen Dollar durch Joseph Mitchell, Neffe der Autorin Margaret Mitchell, die durch ihr Buch „Gone With The Wind“ (Vom Winde verweht) zu Weltruhm gelangte. Joseph Mitchell war Mitglied der Kirche und hatte ihr das Geld nach seinem Tode für „generelle kirchliche und wohltätige Zwecke“ vermacht.

Kommentare zu " Kritik an US-Bischof: Mach mir den Tebartz-van Elst"

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  • Nicht 'nur' ein Dekadenzproblem, und neu ist das auch nicht.

  • Na, der ist aber bescheiden! 2.2 Mio $ sind nur 1/20 des Limburger Falles. Und wahrscheinlich wäre es billiger gar nicht zu haben in Atlanta.

  • jaja, so ist das mit dem wasser predigen und Wein saufen.
    Aber als Entschuldigung können sie ja jetzt ein Jahr in afrikanischen sozialen Projekten soziale Arbeit leisten...

    Als Bischhof und Co macht man das sicherlich gerne; so aus reiner Nächstenliebe und katholischer Überzeugung.

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