Kritik nicht erwünscht
Bischof Gaillot wurden schon zwei Auftritte von Meisner verboten

Zum zweiten Mal innerhalb von sechs Wochen ist dem kritischen französischen Bischof Jacques Gaillot von Kardinal Joachim Meisner ein Auftritt im Erzbistum Köln untersagt worden. Meisner beruft sich dabei auf den kaum bekannten und in Deutschland vermutlich zum ersten Mal angewendeten Paragrafen 763 im Kirchenrecht.

HB KÖLN. Danach kann ein Ortsbischof „in Einzelfällen“ einem anderen Bischof verwehren, in seinem Bereich „das Wort Gottes zu predigen“. Im September war eine Buchvorstellung Gaillots in Erftstadt bei Köln betroffen. Nun untersagte Meisner ihm die Teilnahme an einer Diskussion mit dem gemaßregelten und vom Priesteramt suspendierten Theologen Eugen Drewermann. Das Gespräch war für Donnerstag in Bonn geplant. Dort wird nun eine Botschaft Gaillots verlesen.

Meisner äußerte sich auch am Montag nicht zu den inhaltlichen Gründen für seine Verbote. Gaillot vertrete Positionen, die nicht katholisch seien, hieß es lediglich beim Erzbistum Köln. Meisner hatte heftig kritisiert, dass Gaillot im Juni beim Katholikentag in Ulm hatte auftreten dürfen. Damals hatte Gaillot sich bei der Diskussion zum Thema „Abschied von der Klerikerkirche?“ für neue Formen des Priestertums ausgesprochen - für Frauen und auch auf Zeit.

Gaillot, der sich für eine stärkere Öffnung der Kirche zu Gunsten der Benachteiligten der Gesellschaft einsetzt - Arme, Obdachlose, Aidskranke - war 1995 von seinem Amt als Bischof von Evreux abgesetzt worden. Grund waren seine nicht immer der amtskirchlichen Linie entsprechenden Positionen und scharfe Kritik an der Amtskirche insgesamt. Gaillot erhielt vom Vatikan als „Ersatz“ für Evreux die seit dem 5. Jahrhundert unter dem Sand der Sahara verschwundene Diözese Partenia. Der Franzose gründete unter dem Namen Partenia ein virtuelles Bistum im Internet, das als internationales Dialogforum reformfreudiger Christen seit Jahren auf große Resonanz stößt.

Für September hatte die katholische Kirchengemeinde in Erftstadt- Lechenich Gaillot eingeladen. Meisner untersagte die Vorstellung des Buches im Pfarrheim. Die Gemeinde wich daher auf das Rathaus aus. Dort war Gaillot auch anwesend, verzichtete aber „aus Respekt vor dem Kardinal“ auf den geplanten Vortrag. Zuvor hatte er selbst seine geplanten Auftritte im Erzbistum Köln dem Kardinal angezeigt. Meisner schrieb Gaillot, dass ein Auftritt nicht erwünscht sei.

In Bonn sollte Gaillot in der Beethovenhalle zum Thema „Christsein im dritten Jahrtausend“ auf Einladung der Leserinitiative „Publik“ diskutieren. Nach Angaben der Veranstalter sind bereits 800 Karten verkauft. Die Reformbewegung „Wir sind Kirche“ reagierte am Montag mit „großer Bestürzung“ auf Meisners Verbot.

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