Kritik vom ADAC
In Niedersachsen gibt es den Führerschein mit 17

Im Alleingang hat sich Niedersachsen gegen den Bund durchgesetzt und lässt künftig Jugendliche ein Jahr früher als bisher hinters Steuer. In Hannover gab Verkehrsminister Hirche den offiziellen Startschuss für den Modellversuch „Führerschein mit 17“.

HB HANNOVER. Im ersten Jahr dürfen die Jugendlichen aber nur in Begleitung eines Erziehungsberechtigten und nur innerhalb Deutschlands fahren. Geben sie alleine Gas und werden ertappt, sind sie ihren Führerschein bis zum 18. Geburtstag wieder los und müssen 50 Euro Strafe zahlen. Das Land hofft, dass durch das begleitete Fahren die Zahl der Unfälle mit jungen Menschen hinter dem Steuer gesenkt werden kann. Kritiker, darunter der ADAC, lehnen den Modellversuch als zu risikoreich ab. Von anderen Seiten kam dagegen Zustimmung und der Verweis auf gute Erfahrungen mit ähnliche Regelungen in andern Ländern.

Die CDU/FDP-geführte Landesregierung in Niedersachsen führte den Führerschein mit 17 nach monatelangem Hickhack im Alleingang ein. Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) hatte zunächst große Bedenken gegen das Projekt gehabt. Nachdem zahlreiche Bundesländer angekündigt hatten, den Vorstoß aus Niedersachsen zu unterstützen, gab Stolpe seinen Widerstand jedoch auf und startete eine Anhörung für eine bundesweit geltende Regelung. Dieses Verfahren hakt nach Angaben von Niedersachsens Verkehrsminister Hirche derzeit aber an Bedenken des Bundesjustizministeriums. „Die endlose Verzögerung durch den Bund zwingt uns nun zu einem Vorstoß“, sagte Hirche.

Zunächst können an dem Modellversuch nur Jugendliche in insgesamt 18 Städten und Kreisen in Niedersachsen teilnehmen. Von November an wird der Versuch dann auf ganz Niedersachsen ausgedehnt. Für den Modellversuch hatten sich unter anderem die Juristen des Verkehrsgerichtstages und Experten des Bundesratsausschusses für Inneres ausgesprochen. Scharfe Kritik kam dagegen erneut vom ADAC. Der größte deutsche Automobilclub lehnte das Projekt strikt ab. „Weil auf einen Schlag eine zusätzliche Altersgruppe in den Verkehr kommt, steigt auch das Risikopotenzial“ sagte ADAC-Sprecher Dieter Wirsich der dpa.

Zustimmung zu dem Modellversuch kam dagegen vom Auto Club Europa (ACE) und der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände. Der verkehrspolitische Sprecher des ACE, Matthias Knobloch, sagte, Modellversuche im Ausland hätten gezeigt, dass die Unfallzahlen spürbar nach unten gingen, wenn die Autofahrer schon mit 17 ans Lenkrad dürfen. Der Vorsitzende der Fahrlehrerverbände, Gerhard von Bressensdorf, sagte: „Die Jugendlichen in Niedersachsen können so ein Jahr lang Erfahrungen im Straßenverkehr sammeln. Das kann in der Fahrausbildung nie geleistet werden.“

(Informationen im Internet: www.begleitetes-Fahren.de)

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