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Kronzeuge bestätigt Vorwurf gegen Max Strauß

Der Kronzeuge im Prozess gegen Politikersohn Strauß hat die Version der Anklage weitgehend bestätigt. Pelossis Aussage wurde lediglich verlesen. Er selbst war nicht-öffentlich vernommen worden.

HB BERLIN. Im Prozess gegen Max Strauß wegen Steuerhinterziehung hat der Kronzeuge Giorgio Pelossi wesentliche Vorwürfe der Anklage bestätigt. Der Schweizer Treuhänder und ehemalige Partner des Rüstungslobbyisten Karlheinz Schreiber sagte aus, die Familie Strauß habe von dem Kauferinger Geschäftsmann mehrere Millionen Euro aus Airbus-Provisionen erhalten.

Pelossis Aussage wurde am Freitag vom Vorsitzender Richter Maximilian Hofmeister verlesen. Das Gericht hatte den Zeugen Ende April unter Ausschluss der Öffentlichkeit in der Schweiz vernommen.

Von Schreibers rund 20 Millionen kanadischen Dollar Provisionen für die Lieferung von knapp 100 Flugzeugen an die Air Canada ging laut Pelossi ein Viertel an die Familie Strauß und die Hälfte an «kanadische Freunde». Den Rest habe Schreiber selbst behalten, berichtete der Tessiner Geschäftsmann. Er hatte sich nach eigenen Angaben nach einem Streit um das Geld mit Schreiber entzweit.

Die Millionen an die Strauß-Familie seien zum Teil als Entschädigung für ein missglücktes Immobiliengeschäfts in Kanada gedacht gewesen, sagte Pelossi. Das bayerische Ministerpräsidenten-Ehepaar habe dabei viel Geld verloren, nachdem Schreiber das Anlageprojekt vermittelt habe.

Pelossi sagte demnach aus, Schreiber sei es dann darum gegangen, die Verluste auszugleichen. Seiner Version, das Geheimkonto «Maxwell» sei nicht für Max Strauß, sondern für die CSU bestimmt gewesen, widersprach Pelossi. Mit CSU-Spendensammler Franz Dannecker sei der Rüstungslobbyist seit 1984 verfeindet gewesen und habe ihn niemals Maxwell genannt: «Wenn Schreiber von Dannecker gesprochen hat, dann nur mit Schimpfwörtern, die ich aus Pietätsgründen nicht wiedergeben mag.»

Auf die Frage ob jemals von einem Fonds für die CSU die Rede gewesen sei, sagte Pelossi knapp: «Nie.» Die Anklage geht davon aus, dass das Konto «Maxwell», nach Max Strauß benannt ist, der darüber 2,66 Millionen Euro aus Airbus- und Panzergeschäften erhalten und nicht versteuert haben soll. Vor dem Tod von Franz Josef Strauß hatte Schreiber das Konto «Master» genannt. Pelossi bestätigte, dass der Rüstungslobbyist den Ministerpräsidenten oft «Meister» oder «großer Meister» genannt habe.

Zudem sagte Pelossi, dass der Strauß-Sohn zumindest indirekt über Schreiber-Konten verfügen konnte. Mit Schreiber hat Pelossi nach eigenen Angaben gebrochen: Schreiber habe zugesichert, ihn pauschal mit 20 Prozent an allen Provisionen zu beteiligen. «Der wollte mich nicht bezahlen und wenn dann wäre das Geld von seinen Gnaden gekommen», sagte Pelossi aus. Er habe sich später schließlich selbst eine Million Franken von den Schreiber-Konten abgebucht.

Vor der Verlesung stritten die Verteidigung und Richter Hofmeister: Strauß-Verteidiger Heiko Lesch kritisierte scharf die Vorladung mehrerer CSU-Politiker, unter ihnen Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber: «Das bringt überhaupt nichts», sagte der Anwalt. Wenn das Gericht ernsthaft herausfinden wolle, ob es so genannte schwarze Kassen gegeben habe, müsse es alle Parteispenden und Konten der CSU prüfen. Hofmeister warf den Anwälten vor, den Prozess trotz Klagen über den Gesundheitszustand ihres Mandanten mit umfangreichen Beweisanträgen in die Länge zu ziehen.

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