Kühe in Gefahr
Tiere im Hitzestress

Die Gluthitze dieses Sommers ist auch für Tiere lebensgefährlich. Derzeit häuften sich Lungenentzündungen und Sommergrippe bei Rindern, sagte Tiermediziner Peter Zieger aus dem Vogelsberg am Mittwoch. Ein drei Wochen altes Kalb habe am vergangenen Sonntag einen tödlichen Hitzschlag erlitten, nachdem es sich in einem Laufstall verfangen und einige Stunden in der prallen Sonne gestanden hatte.

HB/dpa FRANKFURT/MAIN. Die Körpertemperatur des Kalbes habe 42,9 Grad betragen. Trotz schneller Hilfe, schonender Abkühlung und Infusionen sei das Tier nicht mehr zu retten gewesen.

„Rinder sollten jetzt nur nachts auf die Weide“, sagt Zieger. Auf die Hitze könnten sich die Tiere nicht einstellen, ihr Organismus werde geschwächt, und sie seien anfälliger gegen Krankheiten. Durch Hecheln verschafften sich Rinder ein wenig Kühlung - dieses Verhalten könne aber auch ein Zeichen von Fieber sein, sagt Zieger.

Kühe fühlen sich eigentlich in subarktischem Klima von 0 bis 10 Grad am wohlsten. Ständig geben die Tiere überschüssige Wärme an die Umgebung ab, die sie mit ihrem Wiederkäuer-Stoffwechsel erzeugen. Die Körpertemperatur muss konstant bei 38,0 bis 38,5 Grad gehalten werden. Das funktioniert in einer kalten Umgebung sehr gut. Steigt die Außentemperatur, erzeugen die Tiere noch mehr „Abwärme“, gleichzeitig wird aber die Wärmeabgabe erschwert. Das Ergebnis ist Stress - die Kühe fressen weniger und geben als Folge auch weniger Milch.

„Schon ab 20 Grad sinkt die Milchleistung“, sagt Frank Jäger, Geschäftsführer der hessischen Landesvereinigung Milch. Nach Angaben von Tiermediziner Zieger kommt es bei Temperaturen von 29 Grad bereits zu einer Reduzierung der Milchleistung um 20 %, bei Werten bis 40 Grad geben die Kühe sogar 50 % weniger Milch. Gleichzeitig leide die Fruchtbarkeit der Rinder bei großer Hitze.

Auf der Weide sollte den Tieren nach den Worten von Jäger unbedingt genügend Schatten zur Verfügung stehen. Damit könne auch dem Sonnenbrand vorgebeugt werden. Vor allem unter den weißen Stellen des Fells seien die Tiere äußerst lichtempfindlich. Zieger hält 35 bis 40 Quadratmeter Schatten pro Kuh für erforderlich. Ohne Schatten sollten die Tiere im Stall bleiben. Dort könne eine Berieselungsanlage für Erleichterung sorgen. In den USA seien solche Anlagen üblich.

Für Schweine gibt es nach Darstellung von Landwirten weniger Gesundheitsprobleme, denn die meisten von ihnen werden ohnehin im gut gelüfteten Stall gehalten und sind nicht der prallen Sonne ausgesetzt. Dort wäre das Borstenvieh mit der blassen, fast nackten Haut ganz besonders sonnenbrandgefährdet. Allerdings haben auch Schweine bei Hitze weniger Appetit. Um schnell schlachtreif zu werden, sollten sie täglich 800 Gramm zulegen. Das ist bei Hitze aber kaum zu schaffen.

Legehennen reagieren auf die Hitze, indem sie weniger und kleinere Eier legen. Nach einem Bericht der Zentralen Markt- und Preisberichtsstelle (ZMP) in Bonn hat sich seit Beginn der Hitzeperiode das Angebot an Eiern der Größe XL deutlich verringert. Allerdings sei auch die Nachfrage nach Eiern derzeit gering.

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